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Olympische WinterspieleZwei Gummersbacher sind als Volunteers in Antholz im Einsatz

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Die beiden Berghausener stehen an der Umrandung des Biathlon-Stadions.

Wenn Ehrenamt so richtig Spaß macht: Petra Nentwich und Jörg Jansen beim Biathlon in Antholz.

Das Ehepaar Petra Nentwich und Jörg Jansen aus Gummersbach ist dem Ehrenamt verbunden und durchlief alle Tests bis zum nötigen Zertifikat.

Am vergangenen Donnerstag sind Petra Nentwich und Jörg Jansen in ein kleines Abenteuer aufgebrochen. Dass sie Volunteers bei den olympischen Biathlon-Wettbewerben in Antholz sind, wussten die beiden Gummersbacher aus Berghausen zwar – nur welche Aufgaben sie im Bereich „Event Service“ übernehmen würden, das war ihnen bei der Abreise nach Südtirol noch nicht klar.

Nach dem Einkleiden am Freitag war am Sonntag ihr erster Einsatz, als die Biathlon Mixed-Staffeln an den Start gingen und Deutschland mit Bronze erstmals eine Medaille in dem Wettbewerb gewann. Der erste Einsatz für die Berghausener bei strahlendem Sonnenschein und toller Kulisse war am Sonntag die Zugangskontrolle.

Es herrscht eine supertolle Stimmung, sowohl unter den Zuschauern als auch unter den Volunteers.
Petra Nentwich

„Wir werden in den kommenden Tagen rollieren und am Infopoint, bei ,Lost and Found' oder an der Ticketkontrolle eingesetzt“, sagt Petra Nentwich. Sie ist schon nach dem ersten Tag im Olympia-Fieber: „Es herrscht eine supertolle Stimmung, sowohl unter den Zuschauern als auch unter den Volunteers.“ An neun Tagen sind sie bis zum Ende der Olympischen Winterspiele in Milano Cortina noch im Einsatz.

21 Kilometer von Antholz entfernt in Onach entstand vor drei Jahren die Idee, als Helfer Teil der Olympischen Winterspiele zu werden. Von Kindesbeinen an fährt Jörg Jansen jedes Jahr in das kleine Dorf in Südtirol, knapp 30 Minuten mit dem Auto entfernt von Antholz: als Kind zunächst mit der Jugendfreizeit, dann als Betreuer und Fahrtenleiter. Später dann mit seiner Frau Petra Nentwich.

Vor drei Jahren entstand in Onach die Idee und wurde das Zimmer gebucht

In dem 270-Seelen-Dorf kennen sich nicht nur alle Menschen untereinander, viele sind mit dem Biathlon verbunden – auch als Sportler. Im Gasthof in Onach kam die Idee auf, sich als Volunteers zu bewerben. Da die beiden 62-Jährigen dem Ehrenamt sehr verbunden sind, sei es in der gemeinsamen Arbeit im VfL Berghausen-Gimborn oder in der Politik wie Jörg Jansen als Fraktionsvorsitzender der CDU Gummersbach, war es für sie keine Frage, sich unentgeltlich zu engagieren. Die Unterkunft war schnell gebucht.

Im April 2024 bewarben sich beide bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina. „Es war wie bei einer Personalagentur, wir mussten Bewerbungsschreiben und Lebenslauf einschicken“, blickt Jörg Jansen zurück. Ein paar Monate später gab es das erste Videointerview, auf Englisch oder Italienisch, berichtet Petra Nentwich. „Dann ging es recht schnell.“

Aus 30.000 Bewerbungen wurden 18.000 Volunteers ausgewählt

Vor allem für sie, denn sie bekam zwei Wochen später den Zuschlag, während Jörg Jansen erstmal auf die Reserveliste kam. Ab August begannen die Schulungen zum Olympischen Gedanken, zur Arbeitssicherheit in den Bergen bei heißen und kalten Temperaturen sowie einigen anderen Themen. An die 20 digitale Trainingseinheiten standen an, und am Ende gab es einen Test mit dem entsprechenden Zertifikat. Aus über 30.000 Bewerbungen wurden die 18.000 Volunteers für die Spiele ausgewählt, die erstmals von zwei Städten, Mailand und Cortina d'Ampezzo, ausgerichtete werden. 13 Prozent der Volunteers sind über 60 Jahre alt, wie die beiden Berghausener.

Petra Nentwich war fest für Antholz gebucht, doch Jörg Jansen bekam auf Nachfrage das Angebot, in Mailand beim Eisschnelllaufen zu helfen. Das kam für ihn aufgrund der Entfernung und weil es eine gemeinsame Sache mit seiner Frau sein sollte, aber nicht in Frage. Kurz vor den Spielen bekam auch er den Zuschlag.

Während Petra Nentwich bei der Polizei schon in Rente ist, hat Jörg Jansen, als Sachgebietsleiter für Nachwuchsmanagement der Polizei Köln, um drei Jahre verlängert. „So war es meine größte Hürde, über die Karnevalstage frei zu bekommen“, erzählt er lachend. Denn normalerweise ist er an den tollen Tagen mit seinen Studierenden im Einsatz.

Da die Berghausener noch zum Skilaufen im Ötztal waren, nahmen sie das Angebot an, auf dem Rückweg einen Schlenker zu machen, um sich wie abgesprochen einkleiden zu lassen. Und sie staunten nicht schlecht, als vor Ort zwar große Skulpturen anzeigten, dass in Kürze die Olympischen Spiele stattfinden würden, die angekündigten Container mit Meldestelle und Einkleidung aber noch nicht aufgestellt waren.

Mit der Beruhigung der Organisatoren, dass alle 13 Teile von den Schuhen, über Jacke und Hose bis hin zum Rucksack in ausreichender Anzahl und Größe vorhanden seien, ging es für Petra Nentwich und Jörg Jansen los. Perfekt eingekleidet, geht es für sie am heutigen Dienstag weiter.