Immerwieder wird auf der B59 trotz Radarkontrollen gerast. Die Polizei scheint machtlos zu sein.
Gefährliche UnfallstreckeRaser auf der B59 in Pulheim mit Tempo über 230 geblitzt

Mit Tempo 231 wurde in Pulheim ein Autofahrer gemessen.
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Am letzten Mittwoch im Januar war die B59 zwischen Pulheim-Stommeln und der Stadtgrenze zu Köln nass, das Thermometer zeigte zwei Grad Celsius an, und mit Straßenglätte musste gerechnet werden. Die Beamten der Verkehrsdienstes der Polizei im Rhein-Erft-Kreis stellten am Morgen am Straßenrand in Fahrtrichtung Köln das Messgerät auf. Die Beamten sind dort häufig im Einsatz, weil sich in diesem Bereich schon viele, auch schwere Verkehrsunfälle ereignet haben. Erlaubt ist an dieser Stelle Tempo 100.
Was nach einiger Zeit dann passierte, machte selbst die Beamten fassungslos. Trotz Glatteisgefahr raste ein Autofahrer mit seinem 500 PS starken Wagen der Luxusklasse in die Radarmessung. Mit einer Geschwindigkeit von 231 Stundenkilometer wurde das Auto gemessen. Fahrer nicht gestoppt Gestoppt wurde der Fahrer nicht, weil das Anhalten bei dieser Art der Geschwindigkeitsmessung nicht vorgesehen ist.

Es hat einige Zeit gedauerte, bis die neuen Geschwindigkeitsüberwachungsanlage funktionstüchtig waren. Jetzt funktionieren die Geräte.
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Der Fahrer wird schriftlich informiert, heißt es bei der Polizei auf Nachfrage. Und mit welcher Strafe muss der Fahrer rechnen? Nach Polizeiangaben beträgt das Bußgeld bei dieser Ordnungswidrigkeit 700 Euro, zudem folgen ein dreimonatiges Fahrverbot und zwei Punkte in der Verkehrssünderkartei. Die Straßenverkehrsbehörde kann außerdem eine Prüfung der allgemeinen Fahrtüchtigkeit einleiten. Aktuell werde die Einleitung eines Strafverfahrens wegen des Verdachts des Verstoßes gegen Paragraf 315d des Strafgesetzbuches (Verbotenes Kraftfahrzeugrennen) geprüft, heißt es weiter. Derzeit liefen Ermittlungen nach dem Fahrer. Die Chancen stehen offenbar gut, da der Polizei gutes Bildmaterial vorliegt.
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Die Bundesstraße 59 bei Pulheim ist als Raser- und Unfallstrecke bekannt. Jedes Jahr ereignen sich auf der acht Kilometer langen Bundesstraße zahlreiche Verkehrsunfälle. Erst im Januar schleuderte ein Lkw in zwei Autos, drei Menschen wurden verletzt. Wenige Tage später kippte ein Anhänger um und blockierte die Fahrbahn, ein Motorradfahrer musste im vergangenen Sommer nach einem Sturz mit dem Hubschrauber in die Klinik geflogen werden. Im August 2022 kamen zwei Männer auf einem Motorroller bei einem Unfall ums Leben.
Die Bundesstraße verläuft ohne Kurven
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Bundesstraße nach Baumaßnahmen zu einer Raserstrecke entwickelt. Anfang der 90er-Jahre wurde zunächst die Umgehung vom Stommeln gebaut, sukzessive wurde die Straße verlängert, bis die letzten Bauarbeiten an der Stadtgrenze zu Köln 2009 fertig waren. Die Straße verläuft ohne große Kurven, ist gut ausgebaut, liegt weit von der nächsten Wohnbebauung entfernt – alles Kriterien, die zum schnellen Fahren einladen.
ADAC: Baulich alle Maßnahmen getroffen
Baulich habe man alle Maßnahmen getroffen, um die Straße sicherer zu machen, hatte der ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold schon 2025 auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Der Automobilclub fordert daher einen vierspurigen Ausbau der B59 zwischen Pulheim und Rommerskirchen. Die Fahrspuren müssten durch Mittelleitplanken getrennt werden, so Suthold damals. Nur dadurch könne die Anzahl von Verkehrsunfällen reduziert werden.
Ob der Bund allerdings das benötigte Geld für den Umbau investieren würde, stellte der Verkehrsexperte damals schon in Frage. Die Kreisverwaltung hat im vergangenen Jahr festinstallierte Messstellen, sogenannte Leitboys, montieren lassen. Dabei handelt es um Kunststoffbaken mit einem Gummifuß, der in Standplatten geschoben wird. Sie sollen verhindern, dass Autofahrer an den Stellen, an denen sich zwei Fahrspuren zu einer verengen, über die schraffierten Flächen fahren, um zu überholen. Doch gerast wird immer noch – egal ob Sommer oder Winter, Tag oder Nacht; bis zum nächsten Unfall.

