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Leben gerettetPatient bedankt sich bei seinen Helfern in Wipperfürth

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Das Foto zeigt einen Personengruppe und zwei Rettungsfahrzeuge und die Rettungswache im Hintergrund.

Das Ehepaar Bernd und Ute Horbach (l.) bedankt sich bei den Rettern.

Ein lebensbedrohlicher Notfall geschah vor einem Jahr an der Neyetalsperre. Doch weil die Notfallkette reibungslos funktionierte ging alles gut aus.

Es war am 23. Februar 2025, fast genau vor einem Jahr, als sich auf dem Rundweg um die Wipperfürther Neyetalsperre ein medizinischer Notfall ereignete. Doch weil die Rettungskette von Anfang bis Ende reibungslos funktionierte, ging alles gut aus. Das Krefelder Ehepaar Bernd und Ute Horbach war an der Neye spazieren, „weil es in Oberberg mit seinen vielen Talsperren so schön ist“, wie Ute Horbach erzählt.

„Plötzlich riss mein Mann den Arm hoch und fiel dann um wie ein Baum, den man gefällt hat.“ Ihr Mann Bernd habe zu röcheln begonnen, erinnert sie sich, und ihr sei klar geworden, dass es jetzt um Leben und Tod geht. „Ich habe laut um Hilfe gerufen, aber es war gerade niemand in der Nähe.“ Dann wählte sie die 112 und wurde mit der Leitstelle des Oberbergischen Kreises verbunden.

Telefonanimation ist Standard in Oberberg

Dort hatte Jana Conrad Dienst: Nachdem ihr Ute Horbach geschildert hatte, was geschehen war, leitete sie die Anruferin telefonisch weiter an und unterstützte sie. Die Telefonanimation ist Standard in Oberberg. Zum Glück nimmt Ute Horbach als Lehrerin alle zwei Jahre an einem Kurs zur Ersthelferin teil und weiß, wie die Herzdruckmassage funktioniert. Also öffnete sie das Hemd ihres Mannes, der mittlerweile bewusstlos war, und drückte immer wieder in schnellem Rhythmus mit beiden Handrücken fest auf die Rippen.

„Zum Glück kamen dann drei Spaziergänger vorbei, die haben mir geholfen, eine Frau hat mich abgelöst“, erinnert sich Ute Horbach. Acht Minuten nach dem Anruf in der Leitstelle traf das Notfalleinsatzfahrzeug ein, mit Sanitäter David Brummel und Notarzt Osman Karabiber. Kurz darauf folgte noch ein Rettungswagen, an Bord zwei weitere Sanitäter. Die Profis lösten die Ersthelfer ab, doch deren Einsatz war entscheidend für den Erfolg.

Rettungshubschrauber im Einsatz

Die Sanitäter und der Arzt entschieden, in Absprache mit der Leitstelle, einen Rettungshubschrauber zu ordern und die Wipperfürther Feuerwehr als Tragehilfe nachzualarmieren. Währenddessen wurden Bernd Horbach, der unter lebensbedrohlichem Herzkammerflimmern litt, mit Hilfe eines Defibrillators mehrere Elektroschocks verabreicht. Zum Einsatz kam zudem ein Gerät, das die Herzdruckmassage mechanisch ausführt.

Der Rettungshubschrauber landete auf einer Wiese gegenüber von Großblumberg und flog mitsamt dem Patienten ins Evangelische Krankenhaus nach Bergisch Gladbach. Die Wahl fiel ganz bewusst auf diese Klinik, verfügt sie doch über ein 24-Stunden-Herzkatheterzentrum.

Eine mobile Herz-Lungen-Maschine

Der Oberbergische Kreis hatte am Montag zu einem Pressetermin eingeladen, um zu erklären, wie die Schritte der Rettungskette ineinandergreifen. „Insgesamt waren mehr als 100 Personen daran beteiligt“, erklärt Ralf Mühlenhaus, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes in Oberberg.

„Im Monat erhalten wir rund 40 solcher Anrufe, bei denen es um Bewusstlosigkeit in Verbindung mit Herzstillstand geht“, so Mühlenhaus. Seit einem Jahr kann man in Oberberg in solchen Fällen auf die sogenannte Extrakorporale Reanimation (ECPR) zurückgreifen. Dabei wird eine mobile Herz-Lungen-Maschine eingesetzt, die die Überlebenschancen des Patienten deutlich erhöht.

Bernd Horbach kann sich an all das nicht erinnern. Doch er und seine Ehefrau sind den vielen Beteiligten der Rettungskette im Oberbergischen und im Rheinisch-Bergischen Kreis sehr dankbar. „In Köln habe ich noch drei Stents bekommen, es geht mir wieder hervorragend“, freut sich der Krefelder.