In Bergisch Gladbach wird eine neue Straßenbrücke über die Bahngleise geplant
StraßenbrückeGroßprojekt für Bergisch Gladbach nimmt Form an

Die Rampe an der Stationsstraße in Bergisch Gladbach
Copyright: Claus Boelen-Theile
Es ist sehr lange her: Die letzte Straßenbrücke hat die Stadt Bergisch Gladbach vor rund 40 Jahren gebaut. Mitte der 1980er-Jahre war das. Die Jüngeren unter uns werden es nicht mehr wissen: Es ist die Brückenrampe an der Stationsstraße hinauf zur Paffrather Straße gewesen, heute wichtig für die Auffahrt der Linienbusse zur Haltestelle Markt und, um aus Richtung Stadtmitte nach Schildgen und Leverkusen zu gelangen. Lassen wir hier den ästhetischen Aspekt mal außen vor.
Und seitdem nichts mehr. Keine Brücke, keine Rampe. Nichts. Höchstens mal ein hölzernes Spazierbrücklein über ein Bächlein im Wald. Und jetzt das: Bald baut Bergisch Gladbach wieder eine Brücke, schon in wenigen Jahren, und zwar eine richtig große. Und eine nur für Kraftfahrzeuge wird es werden, nicht für Passanten oder Radfahrer. Von der Bahnüberführung an der Buchholzstraße im Stadtteil Gronau wird diese Brücke zur Kalkstraße führen und dort an das Straßennetz angebunden.
In luftiger Höhe
Sie überquert das Gleisdreieck in luftiger Höhe und auch die Bahngleise, als Ersatz für den beim Bau des zweiten Streckengleises zu schließenden Bahnübergang an der Tannenbergstraße (wegen der langen Schrankenzeiten). Die Brücke soll den Verkehr aufnehmen, der nach Schließung des Bahnübergangs ansonsten durchs Stadtgebiet irren würde. Lange Staus wären die Folge und ein Kollaps des Verkehrs.
Es gibt bei der Planung ein kleineres Problem: In der Gladbacher Verwaltung gibt es keine richtigen Fachleute, die sich mit einem Brückenbau auskennen. Das Fachwissen ist nicht mehr vorhanden. Geplant wird die Brücke dennoch, und zwar von der Infrastruktur- und Projektgesellschaft (IPGL) der Stadt, von Experten, die sich mit richtig großen Brücken auskennen. Noch ist nicht alles spruchreif, was auf den Schreibtischen der Mitarbeiter liegt, berichten die beiden Geschäftsführer Dr. Sebastian Michalsky und Willi Schmitz.
Bauen mit Kränen
Aber die Brücke kommt. Und sie wird wohl schneller kommen als mancher in der Kreisstadt erwartet. Die Planer der Infrastrukturgesellschaft sind bereits in der Leistungsphase 1 angekommen. Das ist ein Begriff aus der Architektensprache und meint: Der erste Schritt ist gemacht, Pläne liegen vor. Die Umsetzung wäre Phase 9. Es ist also noch etwas Zeit. Aber die Pläne laufen. Und sie werden funktionieren, sagt Sebastian Michalsky überzeugt.
Ein wenig Licht ins ungewöhnliche Projekt lässt der Geschäftsführer. Vorhang auf: Gebaut werden kann die Brücke ausschließlich in Sperrzeiten der S-Bahn. Ansonsten wäre die Sicherheit nicht gegeben für die Passagiere der S-Bahnen, es könnten ja Dinge aus der Höhe auf die Gleise fallen (zumindest theoretisch). Große Kräne sieht Michalsky vor seinem geistigen Auge. Mit diesen Hebewerkzeugen sollen die Brückenteile später eingehangen werden.
Es gibt ein weiteres wichtiges Zeitkriterium: Die Brücke soll nach Auffassung der Planer auf jeden Fall fertig sein, bevor das zweite Bahngleis Bergisch Gladbach erreicht. Um das Jahr 2030, so eine kürzlich getätigte Aussage des Ersten Beigeordneten Ragnar Migenda, könnte mit dem Gleisbau begonnen werden, jedenfalls nach Abschluss der derzeit laufenden Planfeststellungsverfahren.
Sperrzeiten sind wichtig
Das heißt im Umkehrsatz: Bis 2030 könnte die neue Bahnüberführung fertig sein, sofern die Pläne aufgehen. Fragezeichen gibt es immer. Sperrzeiten wegen Bauarbeiten an der Strecke sind für 2027 eine Woche im Mai und drei Monate von Juli bis Oktober. Termine ab 2028 sind noch nicht bekannt, zumindest nicht öffentlich. Das lässt Raum für Spekulationen.
Was noch? Es sollen große, vorgefertigte Bauteile angeliefert werden. Dafür fehlt normalerweise der Platz. Aber die Brückenstücke sollen auf den Flächen des Gleisdreiecks am Kuhlerbusch im Stadtteil Gronau zusammengesetzt werden.
Diese Parzelle hat die Stadt durch ein Vorkaufsrecht inzwischen erworben, eine baufällige Lagerhalle ist vor einiger Zeit abgebrochen worden. Die Fläche ist leer, und damit idealerweise als Fertigungsfläche für die Brücke geeignet. Jetzt kommen Kräne ins Spiel, die Michalsky schon vor Augen hat. Sie könnten die fertigen Bauteile an den Haken nehmen und in die Höhe heben.
Schnelle Fertigung
Arbeiter könnten die Brücke dann recht schnell fertigen, Kräne im Schlussakkord alles in die Brückenträger einhängen. Dass die neue Straße technisch funktioniert, hat die Stadt in mehreren Gutachten schon ermitteln lassen. Einerseits die Aufnahme des Verkehrs betreffend, andererseits der Straßenanschlüsse wegen. Zu beachten haben die Planer das unter Denkmalschutz stehende Stellwerksgebäude am Bahnübergang und auch die ebenfalls denkmalgeschützten Schrankenbäume am Gleisübergang der stillgelegten Bahnstrecke nach Bensberg, Gleis 19 in der Sprache der Eisenbahner.
Ob sich die Planer bei allen Gedankengängen auch ein noch vorhandenes Ausziehgleis entlang der S-Bahn zu Nutzen machen, spielt in den Planspielen auch eine Rolle. Noch ist dies alles Zukunftsmusik. Aber die ersten Tonspuren dieser Zukunftsmusik sind bereits zu hören. Schon bald wird der Straßenverkehr anders durch die Stadt fließen.

