Die Passanten schätzen die Aufenthaltsqualität der sanierten Geschäftstraße in Bensberg. Was viele nervt, sind die Autofahrer.
Bergisch GladbachDie neue Kulisse der Schloßstraße ist bei den Menschen angekommen

Beliebter Platz in der Abendsonne sind die Sitzstufen in der Schloßstraße in Bensberg.
Copyright: Uta Böker
An diesem sonnigen Freitagnachmittag ist eine Menge los auf der Schloßstraße in Bensberg. Cafés und Restaurants haben sich mit Tischen und Stühlen auf Bürgersteige ausgedehnt. Auf Bänken und Sitzstufen kann man einfach nur Zeit verbringen, reden, lachen und Leute beobachten. Die Aufenthaltsqualität ist gestiegen, das schätzen die meisten Passanten. Was dabei nervt, sind die Autofahrer.
Zur neuen Kulisse gehören Granitsteine in hellen Beige-Tönen, die den billigen, ramponierten Asphalt ersetzen. Die Trottoirs sind breiter geworden, Parkplätze sind weggefallen, 15 Sitzbänke sowie Fahrradbügel wurden aufgestellt, 44 neue Bäume gepflanzt, der Emilienbrunnen in seine Einzelteile zerlegt und versetzt. Am Wochenende wird die Geschäftsstraße offiziell eingeweiht, nach einer Planungs- und Bauzeit von neun Jahren. Große Klagen gibt es fast nicht, eher kleine Wünsche.
Autos sind beidseitig geparkt trotz Verbot
Die Einkaufsstraße teilen sich jetzt Fußgänger, Radler und Autofahrer. Das klappt nicht so richtig. Auch an diesem Nachmittag stellen Fahrer wieder ihre Wagen an der linken Fahrbahnseite durchgängig runter bis zum Rewe-Markt ab – trotz Parkverbots. Manche springen nur kurz raus, um sich schnell beim Bäcker oder im Spezialitätenladen etwas zu holen. Andere stehen dort stundenlang.
„Ganz oder gar nicht“, meint Nadja (38), „die Mischung verwirrt die Leute nur.“ Es wäre besser, den Verkehr ganz rauszuhalten. Die junge Mutter nimmt sich gerade eine Auszeit. Die Straße mit den vielen Fachgeschäften habe sie erst jetzt in der Elternzeit ohne Berufstätigkeit erst richtig schätzen gelernt.

Der Platz unterhalb der Schlosstreppe bietet Platz zum Spielen und Ausruhen.
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Neben ihr auf der Holzbank sitzt Sophie (24), ebenfalls mit einem schlafenden Baby im Kinderwagen, das Glück einer zufälligen Begegnung. Die beiden Frauen sind sich einig: „Dass es so viele Sitzgelegenheiten gibt, ist wirklich sehr schön“, sagt Sophie, „aber die Autos sind doof“.
„Am liebsten würden die Autofahrer noch bis in den Laden reinfahren“, stellt Isis Fries fest. Sie wohnt in Kürten, arbeitet als Fachverkäuferin in Bensberg und macht gerade eine kurze Kaffeepause auf einer Bank vor der Geschäftstür. „Jetzt, wenn die Frühlingssonne scheint, ist es ein bisschen wie Urlaub. Ich bin total gerne hier.“

Der neue Spielplatz soll bis zum Fest fertiggestellt sein.
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Das größte Lob kommt aus Bochum. Die Eheleute Dorota und Uwe Hensing besuchen seit vielen Jahren ihre Tochter, die im Kreisgebiet wohnt. „Das hat italienisches Flair“, schwärmt Dorata Hensing und zählt auf, „die schönen Restaurants, die in einem wunderschönem Muster verlegten Pflastersteine, das Fontänenfeld für die Kinder.“ Trotz aller Begeisterung kommt auch hier wieder dieser Satz: „Was mich stört, sind die vielen Autos“, sagt Uwe Hensing.
Mit einem Eis in der Hand genießen die beiden Bochumer von den gut besetzten Sitzstufen aus den Blick in die Weite. „Jetzt warte ich nur noch darauf, dass die Bäume größer werden. Fürs Auge, aber auch als Schattenspender“, meint Dorata Hensing. Der einzige Baum, ein Europäischer Zürgelbaum, auf dem Hauptplatz unterhalb der Schlosstreppe ist erst vor kurzem nachgepflanzt worden, das Vorgänger-Exemplar war eingegangen.

Genug Platz für Fußgänger und Rollstuhlfahrer auf den Gehwegen.
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Harte Kritik kommt ausgerechnet von einer Bensbergerin: „Mich ergreift das Grauen über diese trostlose, gesichtslose, vor allem aber blumen- und strauchlose Steinwüste ohne jegliches Flair“, sagt Birgit Vater. Seit 50 Jahren lebe sie gerne in Bensberg: „Aber jetzt bin ich erleichtert, wenn ich diese graue Trostlosigkeit wieder verlassen kann.“ Ihr Vorschlag: „Die Händler könnten Kübel mit schönen Blumen vor ihren Geschäften aufstellen: „Das würde dem Bild guttun.“
„Jetzt sehen Sie mal, wie schön das hier geworden ist!“ Georg Daubenbüchel, Ex-Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bensberger Handel bis 2021, ist begeistert. Während er spricht, schlendern junge Leute zu dritt nebeneinander mit Papiertüten an den Schaufenstern vorbei. Ein Mann schiebt eine Frau im Rollstuhl vorbei an Kleiderständen, die vor einem Geschäft stehen, ohne auf die Straße ausweichen müssen.

Der Emilienbrunnenwurde aufwändig in seine Einzelteile zerlegt und versetzt.
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„So viel Platz gab es vorher doch gar nicht“, sagt Daubenbüchel. Die ganze Arbeit in endlosen Sitzungen von damals, der Kampf um jeden einzelnen Parkplatz, Baum, um jede Matte bei den Bauarbeiten habe sich gelohnt. „Die Leute kommen, um zu Flanieren und fühlen sich wohl“, sagt er. Das klingt stolz.
„Für Erwachsene ist das richtig toll geworden. Für Kinder fehlen Angebote“, sagen Nicole und Marcel Reddmann aus Moitzfeld. Sohn Toni (9) ist enttäuscht: „Echt langweilig“ Mit dem neuen Spielplatz unterhalb vom Rewe-Supermarkt - modern und minimalistisch ohne klassische Spielgeräte wie Schaukel und Rutsche - könne er gar nichts anfangen.
Abgesehen davon, ist das Spielfeld, immer noch gesperrt. Die restlichen Arbeiten sollen aber laut Stadtverwaltung bis zu Eröffnungsfest noch erledigt werden. Die silberne Stange am Emilienbrunnen, sie schwingt hin und her, wenn man sich draufstellt, hat Toni schnell ausprobiert. Dann ist der Reiz für ihn vorbei.
An diesem Frühlingsabend, wenn viele Geschäfte schon geschlossen haben, trifft man hier nicht nur bloß auf Schaufensterpuppen, sondern auf Menschen. Die Terrasse am Bistro am Schloss ist voll besetzt.
