Das Material wird laut Investor für den Straßenbau benötigt. Der Kreis will, dass die Asche zügig verbaut wird und nicht offen liegt.
Baugebiet ErftaueKreis geht gegen Lagerung von Hausmüll-Verbrennungsasche in Bedburg vor

Auf dem Luftbild sind die riesigen grauen Halden aus Hausmüllverbrennungsasche zu sehen, die die Straßenzüge im Baugebiet Erftaue abbilden. Beim weißen Gebäude links handelt es sich um den Kaufland-Markt.
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Der Rhein-Erft-Kreis geht gegen den Investor des früheren Zuckerfabrikgeländes vor. Grund sind die mehrere Meter hohen Halden von Hausmüllverbrennungsasche (HMVA), die sich über das Areal des Baugebiets „Erftaue“ erstrecken und die für den Straßenbau verwendet werden sollen. „Seit Herbst 2025 wurde ein Großteil der aufgehaldeten HMVA eingebaut“, teilt Kreispressesprecher Thomas Schweinsburg auf Anfrage mit. Danach sei noch weitere HMVA angeliefert worden, die zügig hätte verbaut werden sollen. „Dies ist allerdings nicht erfolgt. Gegen die illegale Lagerung wird durch den Rhein-Erft-Kreis aktuell ordnungsrechtlich vorgegangen.“
Die Domus Immobilien AG, Muttergesellschaft der „Projektgesellschaft Ehemalige Zuckerfabrik Bedburg“, wehrt sich vehement gegen den Vorwurf. Es sei „keine illegale Lagerung, sondern eine Baustellenlagerung“, sagt Domus-Vorstand Florian Funken. HMVA sei ein technisch aufbereiteter, güteüberwachter Ersatzbaustoff mit regelmäßigen Kontrollen. „Schadstoffe werden im Prozess minimiert und geprüft.“
Bedburg: Kreis hat den Einbau von 345.000 Tonnen Asche genehmigt
Die HMVA wird laut Funken ausschließlich zum Straßen- und zum Straßendammbau benötigt. Der Kreis hat nach eigenem Bekunden den Einbau von rund 345.000 Tonnen HMVA genehmigt. Zum Vergleich: In der Müllverbrennungsanlage Köln fallen pro Jahr zwischen 170.000 und 180.000 Tonnen HMVA an, also in etwa die Hälfte der Menge, die in Bedburg genehmigt wurde. Laut Kreis sind bisher rund 60.000 Tonnen HMVA in die Erftaue gebracht worden, von denen der größte Teil bereits verbaut sei.
Zwar sei es korrekt, dass für Ersatzbaustoffe wie die HMVA „eine dauerhafte und zumindest teilweise Versiegelung erforderlich ist, um Kontaminationsrisiken auszuschließen“, sagt Funken. Doch: „Während der aktiven Bauphase entstehen notwendigerweise temporäre Expositionszeiträume.“ Zudem habe es eine Reihe von Verzögerungen gegeben, sodass „Teile des Materials kurzfristig offen“ gelegen hätten, „dies war nicht geplant, ist jedoch aus fachlicher und rechtlicher Sicht vertretbar, da die eingesetzten Materialien geprüft und für den vorgesehenen Einsatz zugelassen sind“.
Dass HMVA als Ersatzbaustoff verwendet und wieder in den Stoffkreislauf gerät, ist vom Gesetzgeber ausdrücklich gewünscht und geregelt. So muss die sogenannte Rostasche aus Müllverbrennungsanlagen etwa von Metallen befreit werden, bevor sie als „Hausmüllverbrennungsasche II“ beispielsweise im Straßenbau verwendet werden darf. Mit Grundwasser darf das Material laut Kreis nicht in Berührung kommen, es muss unter einer wasserundurchlässigen Deckschicht und eben zügig verbaut werden.
Mit dem Grundwasser darf es keinen Kontakt geben, „da auch zertifizierte HMVA-Schlacken trotz Aufbereitung Inhaltsstoffe wie Salze und Schwermetalle enthalten, die bei einem ständigen Wasserkontakt ausgewaschen werden könnten“, sagt Schweinsburg. Zum höchsten Grundwasserstand müsse ein Sicherheitsabstand von einem Meter eingehalten werden. „Dies wird durch die Behörde auch kontrolliert.“ Die Erlaubnisse, die der Kreis erteilt habe, würden den prognostizierten Grundwasseranstieg nach dem Ende der Sümpfung für die Tagebaue berücksichtigen.

Jochen vom Berg ist besorgt: „Das Material liegt über Monate frei, Wind und Regen können es einfach davontragen. Wie belastet ist die Bevölkerung dadurch?“
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In der Erftaue soll das Material zum Einsatz kommen, weil der Boden als sehr schwierig gilt. Er besteht aus einer viele Meter dicken Schicht aus Rübenerde, die über Jahrzehnte bei der Rübenwäsche angefallen ist und als nicht tragfähig gilt. Die geplanten Häuser und Straßen sollen auf bis im Schnitt acht Meter tief reichenden Pfählen gegründet werden, die Straßen erhalten einen Unterbau aus einem Gemisch aus HMVA und Rübenerde. Laut Domus sind allein für die Straßen 11.000 Pfähle mit einem Durchmesser von 32 Zemtimetern erforderlich, die hydraulisch in den Boden gepresst würden.
Aus Sicht der Domus Immobilien AG ist die HMVA nicht nur „verträglich und zulässig“. Im Gegensatz zur ursprünglichen Lösung für das Baugebiet, die den Austausch der Rübenerde mit über 75.000 Lkw-Fahrten vorsah, sei der Einbau der Asche mit deutlich weniger Aufwand und damit Umweltbelastung verbunden. Hierfür sind laut Domus-Angaben 12.750 Lkw-Fahrten nötig.
Die Bedburger Politiker Jochen vom Berg (Grüne) und Wilhelm Hoffmann (FDP) sind mit der Nutzung der Hausmüllverbrennungsasche nicht glücklich. „Es ist völlig unklar, wie es mit den Emissionen aussieht“, sagt vom Berg. „Das Material liegt über Monate frei, Wind und Regen können es einfach davontragen. Wie belastet ist die Bevölkerung dadurch?“ Hoffmann ist von den Mengen erstaunt: „Hier findet eine Ablagerung in Deponiegröße statt – wer will denn hier sein Haus bauen?“
Bedburg: Pläne für die Bebauung des Geländes gibt es schon seit 1998
Im Jahr 1998 hatte der Bedburger Rat entschieden, das Gelände der 1995 geschlossenen Zuckerfabrik bebauen zu lassen. Auf einem Teil soll ein Allkauf-Markt errichtet werden (heute Kaufland), auf einem anderen ein Wohngebiet. Der Markt steht schon längst und hat inzwischen auch schon mehrfach den Besitzer gewechselt. Ein Wohnhaus aber sucht man östlich der Erft vergebens, auch wenn im Jahr 2021 der damalige NRW-Wirtschaftsstaatssekretär Christoph Dammermann bereits zum offiziellen Baubeginn nach Bedburg kam. Als Grund für die lange Dauer der Nichtbebauung wird immer wieder der schwierige Untergrund angeführt.
Wie Domus-Vorstand Funken mitteilt, sollen die Bauarbeiten in dem Baugebiet für bis zu 3000 Menschen bald endlich starten. Die Baustraßen seien zu 90 Prozent fertiggestellt, im Mai gebe es Kampfmittelsondierungen, und ebenfalls im nächsten Monat sollen die Pfahlbohrarbeiten beginnen. Für 185 Einfamilienhäuser habe man Bauanträge eingereicht, man rechne mit einer kurzfristigen Genehmigung. Grundstücke habe man zwar noch keine verkauft, aber „es gibt viele Reservierungen und eine Vereinbarung über einen Paketverkauf von 100 Häusern“, sagt Funken. „Wir gehen davon aus, bis September 150 Häuser beurkundet zu haben.“ Die HMVA soll sukzessive in den kommenden anderthalb Jahren eingebracht werden.


