Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. So will Thyssengas Industrie- und Gewerbebetriebe ans nationale Wasserstoffnetz anschließen.
Neues LeitungssystemSo schließt Thyssengas den Rhein-Erft-Kreis ans Wasserstoffnetz an

Rekultivierungsmaßnahmen sind nur ein Themenbereich, zu dem Bürgerinnen und Bürger sich informieren können.
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46 Kilometer lang soll das Leitungssystem werden, um Wasserstoff (H2) zwischen Rommerskirchen und Wesseling transportieren zu können. Bei Dialogmärkten informiert der Netzbetreiber Thyssengas in diesen Wochen zu Abläufen und Technik. Erste Station der Experten war jetzt das Bürgerhaus in Hürth. Etwa ein Dutzend Bürgerinnen und Bürger kamen. „Wir möchten bei den Märkten auch Anregungen sammeln“, erläuterte Johannes Huland von Thyssengas.
H2 gilt als Energieträger der Zukunft – und als besonders klimafreundlich, wenn es mit Strom aus Sonne und Wind hergestellt wird. Bis etwa 2032 soll ein deutschlandweites Wasserstoff-Kernnetz entstehen. Das Leitungssystem zwischen Rommerskirchen und Wesseling wird das Rheinland laut Thyssengas an dieses Kernnetz anbinden.
Leitung verläuft quer durch das Kreisgebiet von Bergheim bis Wesseling
Nach vorläufiger Planung wird die Leitung auf oder nahe den Gebieten von Hürth, Wesseling, Brühl, Pulheim, Frechen, Kerpen und Bergheim liegen. Die Raumverträglichkeitsprüfungen sollen im August dieses Jahres beginnen. Gebaut werden könnte von 2028 bis 2030. Industrie- und Gewerbebetriebe sollen ab Mitte 2030 Wasserstoff nutzen können.
Bis zum Baubeginn werden einige Genehmigungsverfahren zu durchlaufen sein, dabei die Planunterlagen öffentlich ausgelegt und Naturschutzbelange geprüft. Das Wasserstoffnetz ergänzt die Gasnetze. Gas werde selbstverständlich auch nach 2030 weiter strömen, so Huland. Wegen des Ausstiegs aus der Kohleförderung werde die Industrie in den nächsten Jahren wohl sogar mehr Gas nachfragen.
Rhein-Erft: Vorhandene Erdgasleitungen werden umgenutzt
Während es mehrere Betreiber von Gasnetzen in der Region gibt, ist Thyssengas nach eigener Aussage hier der einzige, der am Wasserstoffnetz arbeitet. Für das H2-Leitungssystem will das Unternehmen etwa 20 Kilometer Erdgasleitungen umrüsten, die nicht benötigt werden. Technische Dokumentationen und Prüfungen hätten ergeben, dass diese Leitungen für den H2-Transport geeignet sind. Hier müsste also nicht in der Landschaft „gebuddelt“ werden.
Für etwa 26 Kilometer Netz sind aber Erdarbeiten notwendig. Außerdem wird eine Erdgasleitung neu gebaut, zwischen Hoeningen und Oberaußem. Sie werde H2-ready sein, also perspektivisch ebenfalls Wasserstoff transportieren können. Die H2-Leitungsrohre werden einen Durchmesser von 40 bis 60 Zentimetern haben und mit mindestens einem Meter Erde bedeckt werden. Rechts und links der Leitungen soll es vier Meter breite Streifen geben, die für die Instandhaltung frei zugänglich bleiben müssen. Landwirtschaft könne dort aber betrieben werden, wenn der Boden nicht tiefer als 60 Zentimeter bearbeitet wird.
„Beim Ausheben des Leitungsgrabens achten wir besonders darauf, die Bodentypen exakt zu trennen, damit die Flächen nach Abschluss der Bauarbeiten wieder rekultiviert werden können“, heißt es bei Thyssengas. Bürger, Landwirte und Industrie in die Planungen einzubinden, sei dem Unternehmen wichtig, betonte Huland in Hürth.
Weitere Informationen
Thyssengas bietet im Kreisgebiet weitere Infotermine zur geplanten Wasserstofftrasse an, jeweils von 18 bis 21 Uhr: am 5. Mai 2026 im Rheinforum Wesseling, Kölner Straße 42, und am 26. Mai 2026 im Medio, Konrad-Adenauer-Platz 1, in Bergheim. Infos zu den Plänen gibt es auch online.

