Das Lemmerz-Freibad in Königswinter bleibt über das Jahr 2027 hinaus geschlossen. Der Förderverein Lemmerz-Bäder hatte früh Zweifel am Zeitplan.
Am DrachenfelsWarum das Lemmerz-Freibad in Königswinter länger als geplant geschlossen bleibt

Wegen seiner Lage am Drachenfels ist das Lemmerz-Freibad, das über ein 50-Meter-Becken verfügt, nach Ansicht der Denkmalschutzbehörden auch touristisch von Bedeutung.
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Das Lemmerz-Freibad am Drachenfels in Königswinter wird aller Voraussicht nach nicht wie geplant im Jahr 2027 wieder seine Pforten öffnen. Es sei „wahrscheinlich, dass die ursprünglich vorgesehene Wiedereröffnung des Lemmerz-Freibades im Sommer 2027 nicht eingehalten werden kann“, teilt die Stadtverwaltung im Hauptausschuss mit, der das Großprojekt in seiner nächsten Sitzung auf der Tagesordnung hat.
Ursache für die Verzögerung sind demnach aber nicht etwa unerwartete Überraschungen an den in die Jahre gekommenen Gebäuden. Vielmehr verzögert sich eine Entscheidung im Haushaltsauschuss des Deutschen Bundestags über die Förderung von Projekten im Rahmen des Programms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS), heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung.
Zuschuss könnte sich auf 4,1 Millionen Euro belaufen
Wie vom Stadtrat beschlossen, hatte sich die Stadt Königswinter mit ihrer „Projektskizze“ für eine Förderung durch das Programm SKS beworben. Wegen einer Vielzahl von Bewerbungen habe sich jedoch die Prüfung durch das zuständige Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung verzögert. Eine Entscheidung des Haushaltsausschusses falle wohl erst nach Ostern.
Um eine mögliche Förderung nicht zu gefährden, empfiehlt die Stadtverwaltung, nicht mit der Sanierung zu beginnen, bevor eine Entscheidung vorliegt. Dabei geht es um viel Geld. 9,1 Millionen Euro sind für die Sanierung und Modernisierung des Freibades in den nächsten Jahren in der stätischen Finanzplanung vorgesehen.
Freibad steht seit September 2025 vorläufig unter Denkmalschutz
Käme Königswinter in den Genuss einer Förderung, würde die Stadt rund 4,1 Millionen Euro für das Projekt Freibad erhalten. Als Betriebskostenzuschuss sind im Haushalt 2027 knapp 189.000 Euro eingeplant. Im Januar 2025 hatte der Stadtrat die Sanierung des Freibades grundsätzlich beschlossen. Demnach bleiben die in den 1950er Jahren errichteten Gebäude in ihrer Struktur zwar erhalten, werden aber komplett saniert. Umkleiden, Duschen und Toiletten modernisiert.
Die Becken werden mit Fliesen ausgekleidet und aus technischen Gründen am Rand um 40 Zentimeter erhöht. Mit der dann vorhandenen Wassertiefe wäre das Schwimmerbecken wettkampftauglich. Die Rutsche im Nichtschwimmerbecken wird aus Sicherheitsgründen versetzt und komplett erneuert. Neu ist eine Drei-Meter-Sprungplattform.
Zusätzlich war laut Beschluss als eine „Option“ ein „Spray-Park“ am Kinderbecken beschlossen worden. Der könne jedoch „aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht umgesetzt werden“, heißt es aus der Verwaltung. Realisieren könne man aber einen Wasserpilz und eine Kinderrutsche.
Speziell ist die Modernisierung des Bades nicht nur wegen seiner Lage mitten im Naturschutzgebiet Siebengebirge. Seit September 2025 steht es zudem (etwas überraschend) vorläufig unter Denkmalschutz. Die vorläufige Unterschutzstellung sei „von Amts wegen“ eingeleitet worden, teilte die Stadt Königswinter auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Der Eingangsbereich des sanierungsbedürftigen Lemmerz-Freibades am Drachenfels, das in den 1950er Jahren gebaut wurde.
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Der Denkmalschutz stehe der geplanten Modernisierung aber nicht im Wege. Im Gegenteil unterstützten die Denkmalbehörden eine „zeitgemäße Nutzung“, da nur durch sie das Denkmal wirtschaftlich erhalten werden könne. Das Lemmerz-Freibad sei unter anderem bedeutend für die Geschichte, „da es als Zeugnis der Badekultur in der Mitte des 20. Jahrhunderts dient“.
Es sei zudem „architekturhistorisch“ von Interesse, weil es zu großen Teilen noch als bauzeitliches Freibad der 1950er Jahre erhalten sei, begründet die Stadt die Unterschutzstellung. Trotz der Verzögerungen kann der Kostenrahmen von 9,1 Millionen Euro laut Sitzungsvorlage aber eingehalten werden. Auch die in der zuständige Bäder AG erläuterten Belastungen durch PCB und Asbest sowie die Stahlbetonsanierung führten nicht zu finanziellen Problemen.
Im März 2024 hatte der Rat beschlossen, das Bad vorerst nicht wieder zu öffnen. Seinerzeit war von einem Beginn der Sanierung im Jahr 2025 die Rede gewesen. Und es wurde die Hoffnung geäußert, „spätestens“ 2027 das modernisierte Bad eröffnen zu können.
Annette Hertner, Vorsitzende des Fördervereins Lemmerzbäder und von Hause aus Architektin, hatte schon damals Zweifel an dem Zeitplan geäußert. Es sei „absolut illusorisch“, die Sanierung in zwei Jahren zu verwirklichen, sagte sie 2024. So zeigt sie sich auf Anfrage auch „nicht überrascht“ von der aktuellen Entwicklung, die man gleichwohl „nicht schön“ finde.
Förderverein hofft auf Eröffnung im Jubiläumsjahr 2028
Der Verein, der vor einer Namensänderung viele Jahre als Förderverein „Rettet unsere Lemmerzbäder“ firmierte, hatte ursprünglich für eine schrittweise Sanierung des Freibades im laufenden Betrieb plädiert. Jetzt hofft Annette Hertner, dass das modernisierte Schwimmbad wenigstens im Jubiläumsjahr 2028 fertig ist – 75 Jahre nach der Eröffnung.
Hauptausschuss, Dienstag, 21. April, 17 Uhr, Rathaus Oberpleis.

