Die Spielvereinigung Lülsdorf-Ranzel will aus dem Hallenbad ein „Bürgerbad“ machen und hofft auf eine Sanierung mit Förderung des Bundes.
Förderung gewünschtSportverein in Niederkassel will marodes Hallenbad als „Bürgerbad“ retten

Dominik Schreiter ist Vorsitzender der Spielvereinigung Lülsdorf-Ranzel. Er setzt sich für die Sanierung des in die Jahre gekommenen Niederkasseler Hallenbades und dessen Weiterbetrieb als Bürgerbad ein.
Copyright: Peter Freitag
In der Diskussion über die Zukunft des Helmut-Loos-Hallenbades in Niederkassel-Lülsdorf hat sich die Spielvereinigung Lülsdorf-Ranzel (LüRa) mit einem neuen Vorschlag zu Wort gemeldet. Der Verein, der seit Jahren zu den wichtigsten Nutzern gehört, möchte das Schwimmbad zu einem „Bürgerbad“ machen. „Unsere Vorstellung ist, dass die Stadt oder die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Eigentümer bleiben, das Bad mit Fördermitteln umfassend saniert wird und ein Verein den Betrieb des Bürgerbades übernimmt“, schildert der Vorsitzende Dominik Schreiter seine Visionen.
Der Verein setzt darauf, das Niederkassselerinnen und Niederkasseler, die sich für den Erhalt des Bades engagieren und die Sportstätte auch in Zukunft nutzen wollen, Mitglied des Bürgerbads werden. Für sie würde dann neben dem Schwimmbad-Eintritt auch ein monatlicher Mitgliedsbeitrag fällig. „Schon mit 3500 bis 4000 Migliedern und mit nur zwölf Wochenstunden Kursangebot und weiteren Schwimmzeiten könnte das Bad eine schwarze Null schreiben“, ist Schreiter überzeugt.
Niederkasseler Hallenbad könnte jederzeit geschlossen werden
Er verweis darauf, dass es für die verschiedenen Schwimmkurse seines Vereins derzeit eine Warteliste mit mehr als 1000 Namen gibt. Die Nachfrage nach Schwimmzeiten und Kursangeboten sei anhaltend hoch, schildert der Vereinsvorsitzende. „Kürzlich gab es freie Plätze in einem Kurs. Wir haben das in einer Mail mitgeteilt, 30 Sekunden später war der Kurs restlos ausgebucht“, schildert Schreiter.

Die Zukunft des Niederkasseler Helmut-Loos-Hallenbades ist derzeit völlig offen.
Copyright: Quentin Bröhl
Bislang hatte die Spielvereinigung Lülsdorf-Ranzel sich für einen kompletten Neubau des aus den 1970er Jahren stammenden Bades eingesetzt. Dieses musste in den vergangenen Jahren wegen technischer und baulicher Mängel immer wieder geschlossen werden. Tatsächlich, das musste die Stadtverwaltung schon 2024 einräumen, könnte das Bad wegen eben dieser Mängel im ungünstigsten Fall jederzeit auch für immer geschlossen werden.
Im gleichen Jahr hatte die LüRa deshalb eine Internetpetition für den Neubau des Hallenbades gestartet, die von rund 2000 Menschen unterstützt wurde. Diese Option ist aber, nicht zuletzt, weil die Stadt mittlerweile in der Haushaltssicherung ist, unrealistisch geworden, wie auch Schreiter einräumen muss. Der Verein setzt jetzt darauf, dass sich die Stadt um Fördermittel des Bundes für eine umfassende Sanierung des Lülsdorfer Hallenbades einsetzt, und rührt dafür zusammen mit der DLRG und der Niederkasseler Wasserwacht, die ebenfalls auf das Schwimmbad als Trainingstätte angewiesen sind, die Werbetrommel.
„Es gibt jetzt keine Ausreden mehr“, schreibt die LüRa auf Facebook und verweist in ihrem Post auf eine „goldene Brücke aus Berlin“. Gemeint ist das „Förderprogramm Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
Stadt Niederkassel könnte sich um Bundesförderung bewerben
Erst vor wenigen Tagen hat die zuständige Ministerin Verena Hubertz den Projektaufruf für eine neue Förderrunde veröffentlicht. Dabei stehen nach Angaben des Ministeriums erstmals Fördermittel in Höhe von 250 Millionen Euro ausschließlich für die Sanierung von Schwimmbädern zur Verfügung – als Teil des sogenannten Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität. Städte und Gemeinden können sich bis zum 19. Juni bewerben. Im Anschluss wählt der Haushaltsauschuss des Bundestages diejenigen Projekte aus, die gefördert werden.
„Die Stadt hat jetzt die Chance, sich um diese Förderung zu bewerben und, wenn sie zum Zug kommt, bis zu acht Millionen Euro abzurufen“, sagt Schreiter. In einem solchen Fall könnten die Energiekosten des Bades durch moderne Technik drastisch gesenkt werden und das Bad als Standort des Schul- und Vereinssports erhalten werden, argumentiert die LüRa. Nicht zuletzt sei das „Klimaschutz, der sich direkt vor unserer Haustür auszahlt“.
Der finanzielle Sanierugbedarf dürfte die acht Millionen allerdings deutlich überschreiten. In einer überschlägigen Kalkulation aus dem Jahr 2022, die mittlerweile überholt sein dürfte, hatte die Stadtverwaltung einen Bedarf von 8,1 Millionen Euro genannt. 2024 erhöhte sich dieser Betrag auf 13,7 Millionen Euro.
„Stellen Sie jetzt den Antrag. Das Zeitfenster für dieses Bundesprojekt ist kurz“, appelliert der Sportverein an die Niederkasseler Parteien, die Hallenbad-Sanierung jetzt in Angriff zu nehmen. Die politisch Verantwortlichen, das Helmut-Loos-Bad „mit massiver finanzieller Unterstützung des Bundes zukunftsfest zu machen, anstatt über Schließungen, Kürzungen oder Privatisierung nachdenken zu müssen“.
Ein Schwimmbad in Niederkassel sei kein Luxus, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, argumentiert der Verein. Es gehe nicht zuletzt um die Sicherheit der Kinder, die schwimmen lernen müssten, und um die Gesundheit aller Generationen.
Privater Investor möchte ein neues Hallenbad bauen
In der Diskussion über die Zukunft des Lülsdorfer Hallenbades rückt der Neubau durch einen Investor in den Fokus. Am Freitag bestätigte die Stadt Informationen dieser Zeitung, wonach die in Hennef ansässige Schwimmschule Nessy überlegt, in Niederkassel ein Schwimmbad zu bauen.
„Es haben sehr konstruktive und vertrauensvolle Gespräche zum Bau eines neuen Hallenbades in Niederkassel durch Nessy stattgefunden“, sagte Bürgermeister Matthias Großgarten. „Wir sind am Anfang der Planung, noch ist nichts entschieden. Wir müssen jetzt ehrlich sein und realistisch denken es wird nicht ohne neue Finanzierungsmodelle und eine Anpassung der Angebote gehen.“
Die im Rat vertretenen Fraktionen wurden über die Pläne des Investors bereits informiert, ebenso die betroffenen Vereine. Dem Vernehmen nach könnte der Schwimmbad-Neubau an des Sportparks Süd am Rande Rheidts realisiert werden. Die Schwimmschule Nessy die an mehreren Standorten in der Region und darüber hinaus Schwimmkurse anbietet, bestätigte auf Nachfrage ihr Interesse. Details wollte das Unternehmen aber nicht nennen.
Eine Sanierung des bestehenden Bades mit Fördermitteln sieht man bei der Stadt kritisch Selbst bei maximalem Förderbetrag, sei mit einem Eigenanteil von „rund sieben Millionen Euro und mehr“ zu rechnen, den die Stadt Niederkassel aufbringen müsse, so der Bürgermeister. Priorität habe bei der Stadt derzeit der Bau einer neuen Feuerwache in Lülsdorf und die anstehende Sanierung des Kopernikus-Gymnasiums. Zusätzlich werde die Tilgung von Krediten durch die Stadt zunehmend schwieriger.
Die Zukunft des Hallenbades steht auch auf der Tagesordnung bei der nächsten Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschusses des Stadtrates. Er tagt am kommenden Mittwoch, 15. April, ab 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses (Rathausstraße 19).

