Der Integrationsausschuss fordert bessere Einbindung bei der Entscheidung über den Standort des Migrationsmuseums in Köln. Am Umzug zum Neumarkt gibt es weiter Kritik.
MigrationsmuseumInitiative „Selma bleibt“ in Kalk gegründet

Die Hallen 70 und 71 auf dem ehemaligen Gelände der Klöckner-Humboldt-Deutz-Werke an der Dillenburger Straße. Dort sollte das Migrationsmuseum Selma realisiert werden, dazu kommt es jedoch nicht.
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Die Initiative „Museum Selma bleibt“ hat sich mit 95 Mitstreitern vorige Woche in Kalk gegründet. Sie sprechen sich dafür aus, dass das geplante Migrationsmuseum weiterhin in ihrem rechtsrheinischen Stadtteil entstehen soll. Am neuen Plan, das Haus im Kulturzentrum am Neumarkt unterzubringen, gibt es nach wie vor Kritik. Dort teilen sich bereits das Rautenstrauch-Joest-Museum und das Museum Schnütgen Räume. Auch der Ausschuss für Integration teilte mit: „Kalk ist kein zufälliger Ort. Das Rechtsrheinische ist eines der Stadtgebiete Kölns mit dem höchsten Anteil an Menschen mit Einwanderungsgeschichte.“
Der Trägerverein Domid und die Stadt Köln hatten am 17. März überraschend mitgeteilt, wegen gestiegener Baukosten doch nicht die Hallen Kalk nutzen zu können. Statt 44 sollte der Bau dort nun 77 Millionen Euro kosten. Die 44 Millionen Euro hätten Bund und Land gezahlt, die Stadt Köln hat das Grundstück mit den Hallen gestellt. Für die Mehrkosten will niemand aufkommen. Der Rat hatte dem Umzug zum Neumarkt aus Sorge zugestimmt, bei längerem Zögern Fördermittel zu verlieren.
Die Initiative „Museum Selma bleibt“ fordert aber genau das: Bund, Land und Stadt sollen für die Differenz von 33 Millionen Euro zahlen und das Museum trotzdem in Kalk bauen. „Der Standort in den ehemaligen KHD-Hallen in Kalk sei genau der richtige, um die Geschichte derjenigen erlebbar zu machen, die dort gearbeitet haben und dort leben“, teilte die Initiative mit. Die Hallen müssten ohnehin saniert werden, was die Stadt nach Ansicht der Initiative auch ohne das Museum Millionen kosten würde.
Mitgründer Boris Sieverts schlug einen weiteren Weg vor, um in Kalk zu bleiben: „Wenn man das Museum am Neumarkt auf ein Fünftel schrumpfen kann, dann sollte es ja wohl möglich sein, in Kalk auf die Hälfte zu gehen und damit im Kostenrahmen zu bleiben.“ „Selma bleibt“ kündigte an, eine bundesweite Kampagne starten zu wollen.
Integrationsausschuss kritisiert Vorgehen der Stadtverwaltung
Der Ausschuss Chancengerechtigkeit und Integration, als Integrationsrat bekannt, erwarte, „dass die politischen Gremien frühzeitig und umfassend in die weiteren konzeptionellen Entscheidungen eingebunden werden“. Er habe die Entwicklung des Museums von Beginn an begleitet und maßgeblich dazu beigetragen, dass das Museum in Köln entstehen wird.
Doch durch die Kurzfristigkeit, mit der die Politik und Öffentlichkeit zwei Tage vor der Ratssitzung im März informiert wurden, konnte der Integrationsausschuss nicht über den Weggang aus Kalk beraten, obwohl er laut Gemeindeordnung ein Vorberatungsrecht hat. Die Verwaltung hatte die Vorlage als „dringlich“ eingebracht, was die Beratungsfolge des Rates abgekürzt hatte. Das war auch schon bei Mitgliedern des Kulturausschusses auf Unverständnis gestoßen.

