Seit 2025 gilt für Kölner Schulen ein neuer Musterraumplan mit weniger Fachräumen. Der Schulausschuss will eine Erklärung einfordern.
„Kann nicht funktionieren“Kölner Gymnasien protestieren gegen neuen Raumplan der Stadt

Nach einer geplanten Generalsanierung hat die Schule voraussichtlich nicht mehr Fachräume, sondern weniger.
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Das Montessori-Gymnasium in Bickendorf soll in der Schülerzahl wachsen und umgebaut werden. Doch nach der Generalsanierung hat die Schule nach derzeitigem Plan dann nicht etwa mehr Räume zur Verfügung, wie man erwarten könnte. Statt zehn Fachräumen für Chemie, Physik und Biologie sieht die Stadt künftig nur noch sieben vor. Und auch die Mensa bietet den dann 1250 statt 970 Schülern nicht mehr Platz, sondern sogar einen Quadratmeter weniger. Sabine Montua, Vorsitzende der Elternvertretung, sagt: „Das ist Sparen an falscher Stelle.“
Eigentlich war die Generalsanierung schon durchgeplant, mit mehr Räumen, ausreichend Platz für die Kinder und Jugendlichen, einem lang ersehnten Aufenthaltsraum für Freistunden in der Oberstufe, mit einer größeren Mensa. Doch im Mai 2025 hat der Schulausschuss den Vorschlag der Verwaltung durchgewinkt, von der bisherigen Berechnung für die Anzahl benötigter Räume der Schulen abzurücken und sie durch die Handreichung zum Schulbau des Städtetages NRW zu ersetzen.

Schülervertreter Nawid Moradi (18) fordert die Rückkehr zu den bestehenden Plänen zur Sanierung des Montessori-Gymnasiums basierend auf dem Musterraumprogramm 2023.
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Die Folgen scheinen den Ausschussmitgliedern damals nicht vollumfänglich bewusst gewesen zu sein, denn dieselben Politiker konfrontierten die Verwaltung schon im Dezember mit kritischen Fragen zum neuen Programm. Auch in der Ausschusssitzung am Montag, 2. März, soll es wieder um die Raumplanung gehen. Die breite Mehrheit im Schulausschuss will mit einem Dringlichkeitsantrag die Verwaltung auffordern, am Beispiel des Montessori-Gymnasiums darzustellen, wie die didaktischen und pädagogischen Belange der Schulen und die für den Fachunterricht rechtlich vorgegebene Stundentafel mit dem neuen Musterraumprogramm umgesetzt werden können. Zu hören ist: „Das Musterraumprogramm sollte zwar zu Einsparungen führen, aber nicht auf Kosten der von der Schule aufgezeigten Probleme.“
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Engagement für eine gute Ausbildung: Kleine und große Monte-Schüler protestierten im Dezember gegen die Folgen des neuen Musterraumprogramms.
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Nawid Moradi (18) ist Schüler in der zwölften Klasse auf dem Montessori-Gymnasium und will am Montag zum dritten Mal lautstark protestieren. Schon im Dezember in Bickendorf und einige Tage später vor dem Rathaus hatten er und seine Mitschüler, Lehrerinnen und Eltern laut und mit Plakaten auf sich aufmerksam gemacht. „Die Raumverteilung hat große Auswirkungen auf uns. Viele von uns verbringen 37 Stunden die Woche in der Schule“, sagt er.
Deshalb hatte die Oberstufe für die künftigen Schülerinnen und Schüler auf einen Aufenthaltsraum gehofft, in dem sie ihre Freistunden verbringen und lernen können. Der war auch erst eingeplant, jetzt ist er gestrichen. Moradi berichtet, in der Mensa essen die Schülerinnen und Schüler schon jetzt in Schichten: Ist der Teller leer, müsse sofort Platz gemacht werden für den nächsten. „Das Platzproblem wird sich mit mehr Schülern noch weiter verstärken“, sagt Moradi.
Kölner Schulen sollen künftig weniger Fachräume bekommen
Derzeit hat das Gymnasium je drei Fachräume für Physik und Biologie und vier Chemieräume. Nach der Handreichung vom Städtetag sollen es trotz der geplanten fünf statt vier Klassen pro Stufe dann nur noch drei Chemieräume und vier Fachräume für Physik und gleichzeitig Biologie sein. Moradi sagt, das laufe auf Chemieunterricht auch in normalen Klassenzimmern hinaus: „Dann findet kein Experiment mehr statt und wir machen nur noch theoretischen Chemieunterricht.“ Bei dem Gedanken daran macht er eine kurze Pause. „Das wäre nicht so schön.“

Sabine Montua, Vorsitzende der Elternvertretung am Montessori-Gymnasium in Bickendorf, Köln.
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Elternvertreterin Sabine Montua hat zwei Söhne auf der Schule, einen in der achten, einen in der zwölften Klasse. Sie sagt: „Wir sprechen von Nachholbedarf im MINT-Fachwissen in Deutschland – die nötigen Fachräume zu reduzieren, unterstreicht das Problem noch einmal.“ MINT steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Das Montessori-Gymnasium trifft das neue Musterraumprogramm wegen der anstehenden Generalsanierung als erste Schule in Köln. Auch das Lessing-Gymnasium in Porz, das als Teil des Zündorfer Schulzentrums in den kommenden Jahren umgebaut werden soll, geht jetzt von Einschnitten aus. Schulleiterin Andrea Meinecke ist ebenfalls besonders um die naturwissenschaftlichen Fachräume besorgt: „Das funktioniert gar nicht“, sagt sie. Denn das Lessing-Gymnasium ist von der nationalen Initiative „MINT Zukunft“ als MINT-freundliche Schule ausgezeichnet.
Bei gleicher Klassenanzahl hätte das Lessing-Gymnasium mit dem neuen Raumprogramm zudem nur noch einen statt vier Kunsträume und einen statt drei Musikräume. Meinecke wiederholt in dem Gespräch noch mehrfach: „Das kann nicht funktionieren.“
Stadt Köln stellt künftig „höhere Anforderungen“ an die Organisation des Unterrichts
Sie ist auch eine der beiden Sprecherinnen der Schulleitungen der Kölner Gymnasien und sagt: „Ich weiß nicht, wie der Städtetag auf dieses Musterraumprogramm gekommen ist.“ Es berücksichtige zu wenig die Profile der Schulen. „Die Zahl der Differenzierungsräume muss für Schulen, die inklusiv arbeiten, massiv erhöht werden, sonst kann man nicht inklusiv arbeiten.“
Die Schulleiterin sagt weiter: „Das Papier erscheint mir als Grundstock für ein absolutes Minimum an Räumen – dann muss man gucken, was die Schule jeweils noch dazu braucht. So geht die Stadt Köln aber nicht damit um.“
Auf die Frage des Schulausschusses im Dezember, ob die Schulverwaltung anhand der aktuell in NRW geltenden Stundentafeln überprüft habe, ob die im Musterraumplan vorgesehenen Fachräume überhaupt ausreichen, antwortete das Schuldezernat von Robert Voigtsberger (SPD) im Januar: Das Musterraumprogramm des Städtetages entspreche maßgeblich den aktuellen Gesetzesvorgaben, sei mit der Stundentafel abgeglichen und bei Erfordernis angepasst. Es setze aber in Bezug auf die Fachraumplanung auch „Synergien, wie beispielsweise mit den allgemeinen Unterrichtsräumen, voraus“.
Nicht jeder Unterrichtsinhalt brauche etwa einen voll ausgestatteten Chemieraum, teilte das Dezernat mit. „Zu Gunsten einer möglichst effizienten Raumauslastung der Fachräume werden an die Organisation des schulischen Unterrichts künftig höhere Anforderungen gestellt.“

