Bei René Wagners Einstand zeigt der 1. FC Köln Moral, aber auch Schwächen. Der neue Trainer beweist beim 2:2 ein glückliches Händchen.
FC-Comeback beim Trainer-DebütRené Wagner, der Ruhige im Lärm

Blieb in Frankfurt cool: FC-Trainer René Wagner
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Der eine war bei seinem Cheftrainer-Debüt sachlich, ruhig, präzise in kurzen Sätzen. Der andere ausschweifend, monologisch, schrill, bisweilen anstrengend – und mitunter mit dem Anschein, sein Publikum nicht ganz ernst zu nehmen. Selten haben zwei Bundesliga-Trainer nach einem Unentschieden ihrer Teams derart unterschiedlich in der Öffentlichkeit gewirkt wie Kölns neuer Coach René Wagner und Frankfurts Albert Riera am Ostersonntag.
Während Riera, der ebenfalls erst seit dem 2. Februar im Amt ist, nach dem 2:2-Endstand nach der 2:0-Führung seiner Mannschaft eine Mischung aus Rechtfertigung, Kritik – und ungewöhnlich deutlichen Worten über den eigenen Klub fand, blieb Wagner nach einem wilden Spiel bemerkenswert ruhig und fokussiert – beinahe stoisch.
„Als ich kam, waren wir das schlechteste Team in Europa“, befand Riera schrill und legte nach: „Ich habe hier am 1. Februar angefangen, das ist der schlechteste Tag für einen Trainer. Das Transferfenster war geschlossen, ich hatte keine Vorbereitung und dann direkt ein Spiel. Wir müssen in zwei oder drei Monaten die Probleme der vergangenen sieben Monate lösen.“ Während der Spanier seine Gedanken langatmig und bisweilen bizarr formulierte, wirkte Wagner konzentriert, klar und antwortete knapp. Für ihn war das Spiel kein gewöhnliches Duell, sondern in einer schwierigen Lage für den gesamten Klub das Debüt als Cheftrainer des 1. FC Köln – ein Tag voller Emotionen, den er mit Ruhe, klarer Kommunikation und richtigen Personalentscheidungen am Ende doch noch meisterte.
Dabei hatte die Partie für seinen FC einen denkbar ungünstigen Verlauf genommen. Schon in der ersten Halbzeit hatten Ragnar Ache, Said El Mala und vor allem Jakub Kamiński hochkarätige Chancen, doch sie konnten sie allesamt nicht verwerten. Frankfurt hatte zwar insgesamt die besseren Spieler, der FC aber die besseren Möglichkeiten. Doch die Kölner Offensivaktionen blieben zu unpräzise, während die Abwehr nach dem Wechsel bei einfachen Ballverlusten und in der Zweikampfführung mal wieder Schwächen offenbarte.
Nach dem Wechsel nutzte Frankfurt diese Lücken dann gnadenlos aus: Jonathan Burkardt brachte die Hessen in Führung, kurz darauf erhöhte Arnaud Kalimuendo auf 2:0 (66./69.). „Die Gegentore waren zu leicht, wir müssen das klar ansprechen“, monierte Kölns starker Torhüter Marvin Schwäbe.
Der FC schien erneut auf die Verliererstraße geraten zu sein. Doch die Mannschaft bewies die Ruhe und den Kampfgeist, den Wagner eingefordert hatte. Und hatte mit dem Anschlusstor sofort eine Antwort parat. „Wir haben nie aufgehört zu kämpfen“, sagte der nimmer müde Kamiński, der das 1:2 durch einen abgefälschten Schuss direkt nach dem 0:2 erzielt und sein Team so im Spiel gehalten hatte. „Wir wussten, dass wir zurückkommen können, wenn wir zusammenhalten.“
Wagners Wechsel wie komponiert
Dazu kam, dass Wagners durchkomponierte Einwechslungen wie geplant griffen: Isak Johannesson brachte mehr Struktur ins Spiel, Linton Maina sorgte für Tempo und neue Impulse, und der späte Dreifachwechsel in der 85. Minute leitete die Wende ein. Alessio Castro-Montes, eingewechselt in den letzten Minuten, erzielte schließlich mit seinem ersten Saisontor und seinem ersten Treffer für den FC überhaupt den 2:2-Ausgleich – ein Tor, das nicht nur Punkte, sondern auch Selbstvertrauen zurückbrachte.
Trainer Wagner befand: „Wir haben zu Beginn nicht optimal ins Spiel gefunden, aber wir wussten, dass wir reagieren können.“ Er nutzte jede Unterbrechung, jeden Einwurf und direkten Kontakt zu den Spielern, um Motivation zu geben und taktische Hinweise präzise zu vermitteln. Schwäbe betonte: „Wir wussten genau, was wir zu tun hatten. René hat uns ruhig erklärt, wie wir das Spiel drehen können.“
Nach Spielende zog Wagner ein emotionales, zugleich nüchternes Fazit: „Es war eine Achterbahnfahrt – für mich, für die Truppe, für alle. Wir hätten in der ersten Halbzeit zwei, drei Situationen besser ausspielen müssen. Frankfurt hat eine riesige Qualität im Eins-gegen-eins im letzten Drittel. Darüber müssen wir sprechen, aber ein Riesenkompliment an meine Mannschaft. Jeder hat heute gesehen, dass sie Charakter hat. Dass wir heute noch zwei Tore gemacht haben, war sehr wichtig. Wir sind sehr froh über den Punkt und nehmen ihn gerne mit.“
Auch die Spieler hoben die Moral und den Zusammenhalt hervor. Kapitän Schwäbe betonte: „Es spricht für den Charakter der Mannschaft. Egal, ob wir 0:1 oder 0:2 hintenliegen, wir glauben weiter dran, spielen nach vorne und sind mutig. Wir hatten einen guten Matchplan, den haben wir auch gut umgesetzt. Hier und da hat ein Quäntchen Glück und Effizienz gefehlt, aber es hat schon sehr gut ausgesehen.“ Doch der Keeper legte auch den Finger in die Wunde: „Die zwei Gegentore haben wir zu einfach bekommen, das müssen wir noch analysieren. Die Box-Verteidigung müssen wir klar ansprechen.“
Befreiungsschlag gegen Bremen?
Kamiński machte zugleich deutlich, welche Bedeutung der Punkt im Abstiegskampf hat: „Wir haben noch sechs Spiele, sechs Finals. Wir müssen dafür kämpfen, in der Liga zu bleiben. Mit dieser Qualität, mit dieser tollen Mannschaft, diesem tollen Verein müssen wir alles geben. Der 1. FC Köln kann nicht in der 2. Bundesliga spielen.“
Denn die Lage des Aufsteigers bleibt angespannt. Nur zwei Siege in den vergangenen 18 Spielen und nunmehr acht Spiele ohne Erfolg – die Bilanz zeigt, wie eng der FC im Abstiegskampf steckt. Das 2:2 in Frankfurt ist daher nicht nur ein kleines Erfolgserlebnis, sondern auch ein Warnsignal: Die Mannschaft darf sich keine Leichtfertigkeit leisten, wie die zu einfachen Gegentore verdeutlichen. Jeder weitere Patzer kann den Klassenerhalt gefährden.
In den kommenden Duellen mit Werder Bremen und beim FC St. Pauli muss dem FC unbedingt der Befreiungsschlag gelingen – sonst droht mindestens die gefährliche Relegation. „Jetzt kommen die großen Spiele. Wir müssen alles tun, um sechs Punkte zu holen“, sagte Kamiński. Drei davon sollen am Sonntag (17.30 Uhr) in Müngersdorf gegen Bremen eingefahren werden. Wagners ruhige, konzentrierte Art könnte dabei der Mannschaft zugutekommen. Denn Druck ist ohnehin schon genug da.


