Der FC hat den Klassenerhalt selbst in der Hand, muss nun aber gegen Bremen und St. Pauli liefern. René Wagner macht mindestens eine Sache anders.
Nach dem Wagner-DebütEin Mutmacher für den benötigten Kölner Befreiungsschlag


Der neue FC-Cheftrainer René Wagner nach dem 2:2 in Frankfurt
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Der Einstand von René Wagner als Cheftrainer des 1. FC Köln liefert ein aufschlussreiches Zwischenbild – eines, das gleichermaßen Kontinuität wie vorsichtige Veränderung erkennen lässt. Beim 2:2 am Ostersonntag bei Eintracht Frankfurt bewiesen die Kölner einmal mehr ihre Comeback-Qualitäten, kämpften sich nach einem frühen 0:2-Rückstand zurück und nahmen einen Punkt mit. Ein Ergebnis, das zwar tabellarisch nur begrenzt hilft, im Kontext des Spielverlaufs aber durchaus als Mutmacher taugt.
Auf dem Platz offenbarte sich jedoch vieles, was bereits unter dem freigestellten Vorgänger Lukas Kwasniok zu sehen war. Wagner setzte zunächst auf die bekannte Fünferkette, reagierte dann aber früh auf Probleme – insbesondere auf der rechten Seite – und stellte auf Viererkette um. Diese Flexibilität erinnert an seinen Vorgänger, der ebenfalls kein Trainer war, der stur an einem einmal gefassten Plan festhielt. Auch im Spiel nach vorne blieb sich der FC treu: Umschaltmomente bleiben ein zentrales Mittel im Offensivspiel.
Gleichzeitig zeigte die Mannschaft erneut Moral, Charakter. Der Anschlusstreffer und der späte Ausgleich stehen exemplarisch für eine Qualität: und zwar die Fähigkeit, auch nach Rückschlägen zurückzukommen. Zehn Treffer in der Schlussphase belegen diese Comeback-Stärke eindrucksvoll. Weniger erfreulich ist, dass auch die alten Schwächen weiterhin deutlich sichtbar sind. Zu einfache Gegentreffer – gerade in der Phase nach der Pause – ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison. Zehn Gegentore zwischen der 61. und 75. Minute sprechen eine klare Sprache und unterstreichen, dass hier weiterhin akuter Handlungsbedarf besteht. Der FC lädt die Gegner durch unerklärliche Aussetzer zu oft ein.
Wagners andere Art der Kommunikation: Die Gruppe steht im Vordergrund
Der wohl größte Unterschied zur Zeit unter Kwasniok zeigt sich weniger im Spielsystem als in der Außendarstellung und Ansprache. Wagner coacht zwar auch aktiv, wirkt aber ruhiger und sachlicher, verzichtet in der Öffentlichkeit auf unnötige Vergleiche und stellt konsequent die Gruppe in den Mittelpunkt. Eine klare, unaufgeregte Kommunikation könnte gerade in der angespannten Lage ein stabilisierender Faktor sein.
Dennoch bleibt die sportliche Ausgangslage kritisch. Der Punkt in Frankfurt ändert nur wenig an der Situation – auch wenn der Vorsprung auf den sich katastrophal präsentierenden VfL Wolfsburg auf dem ersten direkten Abstiegsplatz auf sechs Punkte angewachsen ist und aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses faktisch sogar sieben beträgt. Doch seit acht Spielen wartet der FC auf einen Sieg, überhaupt stehen erst sechs Saisonerfolge zu Buche – eine grausige Bilanz. Die kommenden Spiele gegen direkte Konkurrenten wie Werder Bremen und den FC St. Pauli werden zur Nagelprobe.
Der FC braucht endlich wieder Siege. Moral und Mutmacher allein werden nicht reichen – jetzt zählen insbesondere gegen die direkten und gewiss nicht unbezwingbaren Konkurrenten Ergebnisse und keine Ausreden. Und genau daran wird sich auch Wagner schon in den kommenden zwei Wochen messen lassen müssen. Das Gute ist: Der FC hat im Kampf um die Rettung alles selbst in der Hand. Doch der erhoffte und benötigte Befreiungsschlag muss auch gelingen.

