Der FC kann sich mit einem Sieg Luft im Liga-Keller verschaffen. Neu-Trainer Wagner schöpft personell fast aus dem Vollen. Aber der Druck ist da.
Schlüsselspiel gegen BremenDie große Chance des 1. FC Köln

Versucht, den Druck von der Mannschaft zu nehmen: FC-Trainer René Wagner
Copyright: IMAGO/HMB-Media
Ein Blick auf die Tabelle, die Ansetzungen dieses Spieltags und das Restprogramm der Konkurrenz genügt, um die Bedeutung dieses Duells zu erfassen: Wenn der 1. FC Köln am Sonntag (15.30 Uhr) in Müngersdorf auf Werder Bremen trifft, steht für beide Mannschaften enorm viel auf dem Spiel.
Die Tabellennachbarn – Köln als 15. mit 27 Punkten, Bremen als 14. mit 28 – kämpfen um wichtige Zähler im Abstiegskampf. Aus Kölner Sicht sollte dabei weniger die Gefahr als vielmehr die große Chance im Fokus stehen. Mit einem Sieg könnte das Team von Neu-Trainer René Wagner nicht nur an den Bremern vorbeiziehen, sondern am 29. Spieltag auch einen entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt machen.
Zumal die Konkurrenz vor schwierigen Aufgaben steht: Gladbach (30 Punkte) tritt in Leipzig an, St. Pauli (25) empfängt den FC Bayern, und Schlusslicht Wolfsburg (21) hat gegen Frankfurt keine leichte Aufgabe vor der Brust. Bereits am späten Samstagabend wird der FC wissen, wie die direkte Konkurrenz vorgelegt hat. Im Idealfall gehen die Kölner als Tabellen-13. mit 30 Punkten und verbessertem Torverhältnis in den sechstletzten Spieltag – und könnten sich ein kleines Polster verschaffen: bis zu neun Punkte auf Wolfsburg und fünf auf St. Pauli, bei dem der FC am folgenden Freitag antreten muss. Ein weiteres Schlüsselspiel, das bereits jetzt im Hintergrund mitgedacht wird.
Die Kehrseite: Die Formkurve spricht nicht für den FC. Aus den vergangenen 18 Ligaspielen holten die Kölner lediglich zwei Siege, seit acht Partien warten sie auf einen Dreier – und sind zudem seit vier Heimspielen ohne Erfolg. Im Falle einer Niederlage droht sogar der Absturz auf den Relegationsplatz. Entsprechend dünn ist das Nervenkostüm im Saisonendspurt, in dem jeder Punkt inzwischen doppelt zählt.
Der Druck ist entsprechend groß – aber nicht nur auf Kölner Seite. Auch bei Werder Bremen. Bei den Norddeutschen rumort es intern. Vor allem Sportchef Clemens Fritz steht an der Weser unter Druck. Wagner kennt die Brisanz der Partie, versucht jedoch, die Last von seiner Mannschaft fernzuhalten. „Wir wollen das Spiel gewinnen, das ist unser großes Ziel“, sagte der 37-Jährige, der nach der Beurlaubung von Lukas Kwasniok seine Heimpremiere feiert. „Wir wissen, dass es Druck von außen gibt. Den wollen wir allerdings nicht an uns heranlassen.“
Wir wollen das Spiel gewinnen, das ist unser großes Ziel. Wir wissen, dass es Druck von außen gibt. Den wollen wir allerdings nicht an uns heranlassen.
Personell kann Wagner nahezu aus dem Vollen schöpfen. Nach bangen Tagen steht auch Said El Mala wieder zur Verfügung und ist eine Option für die Startelf. „Ihm geht es gut. Er hat voll trainiert und wird auch morgen voll trainieren“, sagte der Trainer. Der Offensivspieler hatte sich beim 2:2 in Frankfurt am Sprunggelenk verletzt und musste pausieren. Auch Alessio Castro-Montes ist ein Kandidat für die Anfangsformation. Der Schienenspieler feierte zuletzt nach längerer Pause sein Comeback und traf direkt. Zudem kehrt Joel Schmied zumindest in den Kader zurück, und auch Jahmai Simpson-Pusey steht nach der Geburt seines Sohnes wieder zur Verfügung. In der Innenverteidigung herrscht damit beinahe ein Überangebot, das dem Trainer zumindest in der Defensive neue Optionen eröffnet.
Wagner selbst bleibt derweil seiner Linie treu: sachlich, fokussiert, ohne große Ausschläge. Auch am Freitag wich er keiner Frage aus. Interessant waren seine Einblicke in das neu formierte Trainerteam. Mit Armin Reutershahn (66) und Lukas Sinkiewicz (40) vereint es Erfahrung und Praxisnähe. Trainer-Trio deckt breites Spektrum ab„Armin bringt die Erfahrung aus mehr als 1200 Bundesligaspielen als Co-Trainer mit. Er bremst mich mit seiner Ruhe auch mal ein“, sagte Wagner. Sinkiewicz wiederum verkörpere den Gegenpol: „Er ist nah dran an den Spielern, kennt das Innenleben einer Kabine und weiß, wie sich Situationen auf dem Platz anfühlen.“ Eine Perspektive, die Wagner selbst aus seiner Zeit im unterklassigen Fußball so nicht einbringen könne.
Trainer-Trio deckt breites Spektrum ab
Die neue Konstellation auf der Bank sorgt für frische Impulse – und deckt ein breiteres Spektrum ab im Vergleich zur vorherigen Konstellation unter Kwasniok. Doch bei allen strukturellen Veränderungen bleibt die Erkenntnis dieselbe: Entscheidend ist, was auf dem Platz passiert. Und dort sind es oft Kleinigkeiten, die in dieser Tabellenregion über Sieg oder Niederlage entscheiden.
„Werder ist gegen den Ball sehr stabil und schaltet extrem gefährlich um. Sie haben viel Tempo in der letzten Linie“, warnte Wagner. Auch sein Bremer Gegenüber hatte Lob für den Gegner parat – vor allem für die Comeback-Qualitäten des FC, die er zuletzt in Frankfurt (2:2 nach 0:2) bewies. „Nach Bayern sind die Kölner das Team, das am häufigsten zurückgekommen ist nach Rückstand“, sagte Bremens Trainer Daniel Thioune, der seit Anfang Februar als Nachfolger von Horst Steffen im Amt ist. Und er lobte die Kölner Profis El Mala, Ragnar Ache, Jakub Kamiński und Torhüter Marvin Schwäbe.
Trainer-Einschätzungen, die wenig überraschen – aber die Ausgangslage dieses Spiels umso klarer machen: Drei Punkte, aber mit Richtungswirkung: Für den FC und Werder könnte das Ergebnis am Samstag die gesamte Restsaison prägen.
Mögliche Aufstellungen:
1. FC Köln: Schwäbe - Sebulonsen, Simpson-Pusey, Özkacar - Castro-Montes, Martel, Krauß, Lund - Kaminski, S. El Mala - Ache. – SV Werder Bremen: Backhaus - Agu, Friedl, Coulibaly, Deman - Lynen - Stage, Bittencourt - Grüll, Schmid - Milosevic.

