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Kommentar

Trainerentlassung beim 1. FC Köln
Kwasniok muss gehen – Kesslers Wette ist nicht aufgegangen

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Lukas Kwasniok und Thomas Kessler nach dem Schlusspfiff am Samstagabend – da stand bereits fest, dass Kwasniok würde gehen müssen.

Lukas Kwasniok und Thomas Kessler nach dem Schlusspfiff am Samstagabend – da stand bereits fest, dass Kwasniok würde gehen müssen. 

FC-Trainer Lukas Kwasniok muss gehen. Seine Entlassung ist das Ergebnis einer Fehleinschätzung, doch war die Wahl nicht von Anfang an falsch.

Thomas Kessler hat den ersten Trainer seiner Karriere entlassen. Das ist das nüchterne Zwischenfazit einer Saison, die besser begann, als sie enden wird – und die trotzdem noch gut ausgehen könnte. Denn der Klassenerhalt, das einzig realistische Ziel eines Aufsteigers, ist nach wie vor erreichbar. Dass Lukas Kwasniok dieses Ziel nicht mehr als Cheftrainer ansteuern darf, ist dennoch das Eingeständnis eines Fehlers.

Ein Teil der Rechnung war aufgegangen. Der 1. FC Köln brauchte nach dem Aufstieg jemanden, der einen nach den Keller-Jahren dringend renovierungsbedürftigen Kader in Bewegung bringt – einen, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, notfalls Euphorie im Alleingang inszeniert und dabei genug fußballerischen Verstand mitbringt, um die Mannschaft durch den Umbruch zu führen. Kwasniok war dieser Mann. Der Start gelang, die Mannschaft hat über Monate gezeigt, dass sie in der Bundesliga bestehen kann.

Doch Kessler wusste, dass er mehr brauchte als einen Aktivierer. Er brauchte einen Trainer, mit dem der Verein auch über diesen ersten Zyklus hinaus denken könnte. Den hat er in Kwasniok nicht gefunden. Und das ist der Punkt, an dem die Frage nach dem Fehler beginnt.

Kessler hat Kwasniok vor der Verpflichtung den Standort erklärt. Was Köln ausmacht. Was Köln braucht. Was Köln verträgt. Was er von ihm erwartet. Das war sorgfältig. Es war aber, wie sich zeigt, nicht ausreichend. Denn das Problem war nicht, dass Kwasniok nicht verstanden hätte, was man ihm sagte. Das Problem war, dass in Kwasnioks Fall zwischen Verstehen und Verhalten eine Lücke liegt, die sich durch Gespräche allein nicht schließen lässt. Kessler hat auf das Standardmodell professioneller Zusammenarbeit gesetzt – Einsicht, Rückmeldung, Korrektur. Es hat nicht funktioniert.

Das ist kein gravierendes Versagen. Es ist eine Wette, die nicht aufgegangen ist. Wer Kwasnioks Stationen kannte, hatte Anlass zu glauben, dass er auch Stabilisierung kann – er hat in Paderborn bewiesen, dass er nicht nur Aufbrüche gestaltet.

Dennoch bleibt der Befund: Kessler hat einen Trainer verpflichtet, den er für steuerbar hielt – und musste letztlich einsehen, dass Steuerbarkeit eine andere Voraussetzung hat, als Gespräche und Aufmerksamkeit sie schaffen können. Diese Erkenntnis kommt spät. Zu spät, um Kwasniok zu halten. Früh genug, um daraus zu lernen.

Mut nicht verloren

Kesslers jetzige Entscheidung spricht dafür, dass der Geschäftsführer Sport seinen Mut nicht verloren hat. René Wagner, 37 Jahre alt und bislang Co-Trainer unter Kwasniok, übernimmt. Das klingt nach Verlegenheitslösung – ist es aber nicht. Kessler hatte Wagner nach Köln geholt, mit dem Gedanken, ihn als Cheftrainer aufzubauen. Dass Wagner nun genau diese Rolle übernimmt, ist die Ausführung einer Idee, die Kessler parallel zur Kwasniok-Wette angelegt hatte. Das verdient Respekt: Kessler hat auf Kwasniok gesetzt – und gleichzeitig eine Antwort für den Fall vorbereitet, dass diese Wette nicht aufgeht.

Das nächste Kapitel seiner Amtszeit beginnt mit einem jungen Trainer. Und einer Erfahrung mehr.