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Bauvorhaben in BickendorfKölner Bürgerinnen und Bürgern ist die geplante Schule zu groß

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An einem Tisch sitzen sechs Menschen, dahinter ist Publikum auf Stühlen und stehend zu sehen.

Wolfgang Stöcker (vorne in roter Jacke) als Vertreter der Petenten brachte in Anwesenheit von 100 Bürgern die Bedenken der Nachbarn bezüglich der geplanten Schule vor. 

Auf einer Sondersitzung der Ehrenfelder Bezirksvertreter wurde der Schulneubau am Lindweiler Hof kontrovers diskutiert. 

Pläne wurden erläutert und Experten angehört - und natürlich wurde diskutiert. Daran durften sich – ein Novum für eine Sitzung der BV - auch die rund 100 versammelten Bickendorfer Bürger beteiligen. Doch beim Thema des Abends, dem Schulneubau auf dem Gelände des Lindweiler Hofs, gab es auch nach mehr als drei intensiven Stunden keine Annäherung.

Im Gegenteil: Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Grüne) rang gegen Ende kurz um Fassung und sprach von einem „Tiefpunkt“ der Auseinandersetzung. Denn Wolfgang Stöcker, Vertreter von „Bürgerinnen und Bürgern in Bickendorf“, hatte unterstellt, Verwaltung und Politik nähmen in Kauf, dass Kita-Kinder bei künftigen Starkregenereignissen „in der Kuhle ertrinken“ könnten. Das mochte auch Marlis Pöttgen (FDP) nicht hinnehmen und beteuerte: „Bitte nehmen Sie uns ab, dass wir die beste Lösung für Bickendorf suchen.“

Anwohner sehen die Größe des Neubaus kritisch

Das reicht nach Ansicht vieler Bickendorfer jedoch nicht aus. Stöcker warf Politik und Verwaltung erneut vor, sie würden die Bedenken der Anwohner hinsichtlich der Größe des Neubaus, der Beeinträchtigung des Ortsbilds, der möglichen Verkehrsprobleme und des Überflutungsschutzes, aber auch die wiederholt unterbreiteten alternativen Konzepte nicht ernst nehmen: „Wir bitten darum, dass man uns das Gefühl gibt, wir können mitentscheiden.“

Hinter einem Bauzaun sind Reste von Gebäuden zu sehen, dahinter ein altes Gebäude und eine Kirche.

Im Herzen von Bickendorf wird das Gelände des Lindweiler Hofs für den Neubau einer Schule vorbereitet. Zu sehen sind das alte Gutshaus und die Rochuskirche.

Immerhin stellte Matthias Hiby von Molestina Architekten und Stadtplaner erstmals öffentlich die Pläne für den Neubau vor, der ab 2028 zunächst das Montessori-Gymnasium während der Sanierungsphase beherbergen soll. Welche Schulform etwa drei Jahre später endgültig einziehen wird, ist noch nicht sicher. Nach den jetzigen Plänen wird die Schule aus vier größeren „Lernhäusern“ bestehen, die um das freistehende ehemalige Herrenhaus angeordnet sind, der künftigen Schulbibliothek. Zwei der Häuser sind für die Sekundarstufe II (Sek II) gedacht, sie sind viergeschossig und liegen an der Rochusstraße. Von den beiden Gebäuden für die Sekundarstufe I im hinteren Bereich wird eines gegenüber von St. Rochus errichtet und fünf Geschosse haben, wobei das Erdgeschoss komplett von einer Kita mit vier Gruppen genutzt wird. Das zweite Sek I -Lernhaus ist teils zweigeschossig geplant, als Übergang zur südlichen Wohnbebauung.

Steb verbessert das Pumpwerk und die Gullis rund um die Schule

Während einige Bickendorfer schimpften, Hiby zeige nur „die Schokoladenseiten“, hatten sie, mit Ausnahme von Stöcker, kaum Einwände gegen die Pläne der Stadtentwässerungsbetriebe (Steb). Danach begegnet die Steb Überschwemmungen wie im Juli 2021 mit Veränderungen an einem Hubwehr, Gulli-Vergrößerung, einem unterirdischen Becken und leistungsfähigen Pumpen: „Vom Schulgelände wird kein Wasser mehr in die umliegenden Straßen fließen“, versprach Ingo Schwerdorf (Steb).

Eine Visualisierung zeigt die geplanten Schulgebäude links und rechts von dem unter Denkmalschutz stehenden Gutshaus im Herzen von Bickendorf an der Rochusstraße.

Das Schulgebäude an der Rochusstraße 80 soll auch einen Kindergarten beherbergen. Das alte Gutshaus wird von Gebäuden flankiert werden.

Große Zweifel aber bekundeten viele Anwesende am Verkehrskonzept, das Björn Fries vom Projektmanager Drees & Sommer vorstellte. Dort geht man davon aus, dass nur drei Prozent der künftig rund 1000 Schüler und ihrer Lehrer mit dem Pkw zur Schule fahren. Die nötigen 33 Stellplätze würden auf dem Grundstück des Montessori-Gymnasiums bereitgestellt. Am Schulneubau selbst sind jeweils fünf Hol- und Bringplätze für Schule und Kita geplant, außerdem 663 Radabstellplätze. Abhängig vom Einzugsgebiet der Schule, die hier nach dem Monte einzieht, gestand Fries, könnten aber auch bis zu 20 Prozent der Schüler und Lehrer mit dem Auto anreisen.

„Wir kriegen das in den Griff“, versprach Spelthann, aber die Skepsis der Besucher blieb: „Sie setzen da einen Riesenklotz hin und wissen gar nicht, was sie damit anfangen sollen“, meinte einer. Andere kritisierten, die Verwaltung denke nur an die Monte-Sanierung aber die könne ebenso mit dem Einsatz von Containern gestemmt werden. Immer wieder wiesen Besucher auch darauf hin, dass die Schülerzahlen in wenigen Jahren wieder rückläufig sein werden.

Da half es kaum, dass Volker Spelthann auf das nicht mehr zeitgemäße Raumprogramm vieler Kölner Schulen und die derzeit übliche und wenig nachhaltige Anmietung von Räumen für Schulzwecke hinwies. Petra Bossinger, Fraktionsvorsitzende der SPD, forderte die Verwaltung auf, die Pläne im Lichte der Kritikpunkte, wenn möglich, zu ändern - was schließlich, in ähnlicher Formulierung, von der BV beschlossen wurde. Torsten Leesmeister-Zawacki von der Gebäudewirtschaft machte allerdings wenig Hoffnung. Man könne zwar darüber nachdenken, ob es sinnvoll sei, Kita und Sek I in einem Gebäude unterzubringen, was eine Lehrerin moniert hatte: „Aber von 1000 auf 600 Schüler reduzieren, das wird nicht gehen.“ Schließlich sind die Pläne des Totalunternehmers fertig und zur Genehmigung eingereicht. Werden sie nicht umgesetzt, drohen Schadenersatzforderungen, „die richtig weh tun.“

Volker Spelthann blieb nur der Appell an die Verwaltung, künftig bei sensiblen Bauvorhaben rechtzeitig die Politik zu informieren. Für den Schulbau in Bickendorf kommt das zu spät: „Dieser Umgang mit den Bürgern wird Nachwirkungen haben“, meinte Wolfgang Stöcker noch. „Und wir machen weiter.“