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Kölner Plan
Gleiche Kosten für Uber und Taxi sind im Interesse der Verbraucher

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Protestaktion des Deutschen Taxigewerbes gegen digitale Plattformanbieter, wie Uber und Bolt an der Deuter Werft.

Protestaktion des Deutschen Taxigewerbes gegen digitale Plattformanbieter, wie Uber und Bolt an der Deuter Werft.

Köln will die Tarife für Taxis und Mietwagen für einen gerechten Wettbewerb angleichen. Richtig so, denn eine Geiz-ist-geil-Mentalität ist falsch.

Es ist die richtige Entscheidung, dass die Stadt Köln und die Politik dafür sorgen wollen, die Taxibranche vor Ort zu stabilisieren. Bereits jetzt gibt es in Köln weniger Taxis als es laut einer Studie geben sollte. War eine Lizenz früher hochbegehrt, ist das inzwischen nicht mehr der Fall. Denn der Wettbewerb mit den Mietwagenunternehmen ist nicht zu gewinnen.

Und das liegt unter anderem daran, dass für sie andere Spielregeln gelten, und auch daran, dass sich nicht alle von ihnen überhaupt an irgendwelche Regeln halten. So hat der Zoll in der Vergangenheit bei Kontrollen bereits mehrfach festgestellt, dass es im Mietwagenbereich oftmals zu Schwarzarbeit und Sozialhilfebetrug kommt, um Dumpingpreise anbieten zu können. Und auch die Stadt Köln hat bei Kontrollen Unregelmäßigkeiten bemerkt. Mietwagenfahrer haben Fahrgäste ohne Vorbestellung am Straßenrand eingesammelt, obwohl das nur Taxifahrer dürfen.

Tim Attenberger

Tim Attenberger

Chefreporter des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Jahrgang 1979. Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in den Themenbereichen Kommunalpolitik, Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr....

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Die Taxibranche ist hochreglementiert. So dürfen die Unternehmen die Höhe der Tarife nicht selbst bestimmen. Das macht in Köln die Politik, genauer der Stadtrat. Somit ist es Taxifahrern unmöglich, die Dumpingpreise der Mietwagenfirmen zu unterbieten. Mit der Einführung eines Mindestentgelts und einer Neuregelung des Taxitarifs wird diese Ungerechtigkeit beseitigt, es herrscht sozusagen Waffengleichheit.

Uber werden teurer werden

Und das ist auf lange Sicht auch im Interesse der Verbraucher. Es stimmt zwar, dass die Benutzung eines Mietwagens in Zukunft deutlich teurer sein wird, aber eine Geiz-ist-geil-Mentalität ist hier völlig fehl am Platze. Denn würde es ungebremst so weitergehen, dann käme der Tag, an dem es in Köln kein Taxi mehr geben würde. Und dann wäre der Markt ausschließlich in der Hand international tätiger Großkonzerne. Niemand sollte glauben, dass es dann noch immer günstig wäre, mit einem Mietwagen zu fahren. Die Preise würden deutlich anziehen, eine Regulierung wäre kaum noch möglich.

Viele wissen zudem nicht, dass Taxis zum öffentlichen Personennahverkehr gehören und diesen sinnvoll ergänzen. Deshalb ist ein Taxifahrer auch dazu verpflichtet, jemanden zu befördern – und sei die Strecke noch so kurz und deshalb eigentlich nicht wirtschaftlich. Ein Mietwagenfahrer darf einen hingegen einfach stehenlassen, wenn er den Auftrag finanziell nicht attraktiv genug findet. Das ist ganz offensichtlich nicht im Interesse der Verbraucher.

Und nicht zuletzt sollte sich jeder die Frage stellen, ob er oder sie wirklich reinen Gewissens einen Mietwagen benutzen kann, wenn unklar ist, unter welch prekären Bedingungen der Fahrer möglicherweise arbeiten muss.