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Interview

10.000 Parkausweise weniger
Mobilitätsexperte sieht „sehr wichtigen Veränderungsimpuls“ in Köln

2 min
Bonner Stadtverwaltung lehnt Besucherparktickets ab. Parkraumbewirtschaftung und Anwohnerparken im Bonner Talweg

Bonner Stadtverwaltung lehnt Besucherparktickets ab. Parkraumbewirtschaftung und Anwohnerparken im Bonner Talweg

Schaffen Menschen tatsächlich wegen höherer Parkgebühren ihr Auto ab? Ein Experte klärt über die veränderte Lage in Köln auf. 

Herr Lanzendorf, schaffen Menschen tatsächlich wegen höherer Parkgebühren ihr Auto ab?

Das weiß ich nicht, die Kosten für Anwohnerparkausweise sind ja immer noch sehr überschaubar. Aber ich vermute, dass manche gründlicher darüber nachdenken, ob sie ein Fahrzeug tatsächlich noch benötigen. Meines Erachtens ist es ein kleiner, aber sehr wichtiger Veränderungsimpuls, der erst dann wirkt, wenn zusätzliche Maßnahmen wirken.

Martin Lanzendorf forscht zur Mobilität.

Martin Lanzendorf forscht zur Mobilität.

Wie ordnen Sie höhere Gebühren für das Anwohnerparken ein? Halten Sie es für gerechtfertigt?

Unbedingt sind diese gerechtfertigt, weil das Parken der privaten Pkw viel öffentliche Fläche in Anspruch nimmt, die wir in Städten eigentlich für vielfältige andere Nutzungen gut gebrauchen könnten, zum Beispiel für Wohnen, Grün- und Freizeitflächen. Zudem verhindert das Umsonst-Parken auf Straßen bisher, dass vorhandene private Garagen genutzt oder Stellflächen in Parkhäusern angemietet werden. Die aktuellen Preise für das Anwohnerparken liegen damit ja immer noch weit unter den tatsächlichen Kosten für die Anmietung eines Stellplatzes in Parkhäusern.

Die aktuell gültigen Tarife für das Anwohnerparken in Köln.

Die aktuell gültigen Tarife für das Anwohnerparken in Köln.

Höhere Gebühren werden häufig kritisiert. Wie sollten Verwaltung und Rat damit umgehen?

Natürlich gibt es da immer Gegenstimmen, niemand zahlt gerne mehr, ohne etwas dafür zu kriegen. Aber unsere Studien in Frankfurt zeigen, dass viele Menschen in Städten Maßnahmen grundsätzlich unterstützen, die darauf abzielen, die Mobilität und Flächenverteilung zu verändern, also weniger Platz für private Pkw zur Verfügung zu stellen und stattdessen die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Flächen verstärkt für öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder zu Fuß gehen zu nutzen. Solche Gesamtkonzepte schaffen Verständnis und auch Unterstützung für die Erhöhung von Pkw-Parkgebühren, mehr als zunächst häufig erwartet wird.

Zur Person:

Seit 2008 lehrt und forscht Martin Lanzendorf als Professor für Mobilitätsforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mittlerweile leitet er das Frankfurt Lab for Social-Ecological Transformation of Urban Mobility, die laut eigener Aussage „Beiträge zu einer sozial-ökologischen Transformation des Mobilitätssystems“ liefern soll. (red)