Seit 1996 fördert das Café Lichtblick Gemeinschaft in Stammheim durch faire Produkte, Beratungen und kulturelle Veranstaltungen.
Frühstück, Fairtrade, Füreinander30 Jahre Café Lichtblick in Köln-Stammheim

Birte Kathage leitet das Café Lichtblick.
Copyright: Stefan Rahmann
Solidarität kennt kein Oben oder Unten und wird nicht in Euro bemessen. Der Sponsorenbaum im „Lichtblick – Café + mehr“ zeigt das sehr deutlich: An den Ästen dieses Baums hängen Zettel von Menschen, die anderen, die wenig Geld haben, ein Frühstück, eine Tasse Kaffee oder ein Ei bezahlen möchten. Wer einen Zettel herunternimmt, geht damit zum Tresen und bekommt dann, was darauf steht. Jeder so viel er kann und möchte – und das könnte ein Leitspruch sein für das Café Lichtblick. Seit 30 Jahren gibt es die Einrichtung schon an der Gisbertstraße 98, mitten im Veedel. Vorher war in dem Ladenlokal ein kleiner Supermarkt angesiedelt.
Die evangelische Brückenschlag-Gemeinde und die katholische Pfarrgemeinde St. Hubertus und St. Mariä Geburt haben das ökumenische Projekt 1996 aus der Taufe gehoben. Rechtlicher Träger ist die evangelische Gemeinde, die auch das finanzielle Risiko trägt und Eigentümerin des Ladenlokals ist.
Ökumenisches Projekt seit 30 Jahren
Ziel des Projekts war und ist es, „einen Ort der Begegnung für Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten zu bieten und damit Kirche in den Alltag zu bringen. Wir wollen Mission und Diakonie leisten, also den christlichen Glauben weitergeben und unseren Nächsten dienen“, heißt es in der Selbstbeschreibung des Projekts. Der diakonische Ansatz wird großgeschrieben. „Dafür stehen zum Beispiel unsere Kleiderkammer und der Second-Hand-Laden“, sagt Birte Kathage, die das Café Lichtblick seit Mai 2025 leitet.
Dreh- und Angelpunkt bleibt das Café. Frühstücken kann man dort von morgens bis abends für kleines Geld, es gibt Kuchen und warme alkoholfreie Getränke. Lesungen gehörten von Anfang an zum Programm, Informationsabende etwa zum Thema Pflege sind Standard. Auch Sozialberatung hat man sich zur Aufgabe gemacht. 25 Frauen und Männer treffen sich einmal im Monat zum offenen Singen. Nicht ganz so viele sind immer mittwochs beim Spanischunterricht anzutreffen. Spielenachmittage sind gut besucht, es hat sich auch ein Strickkreis gefunden. Dass man im Stammheimer Veedelszoch mitgeht, ist Ehrensache. Verkauft werden hier Produkte aus fairem Handel: Kaffee, Schokolade, Honig und vieles mehr.

Das Café Lichtblick liegt an der Gisbertstraße.
Copyright: Stefan Rahmann
Die Kleiderkammer im Keller ist gut bestückt: An meterlangen Ständern und in Regalen findet jede und jeder gegen eine kleine Spende etwas Passendes. Im Buchladen im Café Lichtblick kann man Bücher kaufen, bestellen und zeitnah abholen. Sogar E-Books kann man kaufen. Man bestellt an der Ladentheke, bezahlt bar oder mit der EC-Karte und bekommt den Download-Link per Mail. Auch Second-Hand-Bücher werden angeboten. Ihr Preis bestimmt sich nach der Dicke und wird in Zentimetern gemessen.
Junge Leute zum Mitmachen anregen
Was wünscht sich Birte Kathage für die Zukunft? „Ich würde mich freuen, wenn wir das Team auf eine noch breitere Basis stellen könnten. Natürlich wünsche ich mir jüngere Leute, die sich hier engagieren.“ Neben der Leiterin arbeiten im Café Lichtblick vier Menschen mit einem Minijob und 44 Ehrenamtliche. Die Altersspanne reicht von 14 bis 80 Jahren.
Hilde Kuck ist von Anfang an ehrenamtlich dabei. Sie erinnert sich an eine Familie, die jüngst das Café besucht hat. „Die Frau war 90, sie hatte ihre Tochter dabei, deren Sohn und dessen Tochter.“ Das darf man wohl mit Fug und Recht generationenübergreifend nennen. Kucks Beobachtung stützt den Satz von Birte Kanthagen: „Für viele im Veedel ist das Café Lichtblick ein zweites Zuhause.“
Lichtblick – Café + mehr, Gisbertstraße 98, Telefon 0221/666150. Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr und von 15 Uhr bis 18 Uhr, samstags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr, sonntags von November bis April von 14 Uhr bis 17 Uhr. Montags ist Ruhetag.

