Nach 15 Monaten Prüfzeit legt die Stadtverwaltung einen neuen Zwischenstand vor: Sie will noch vor den Sommerferien eine Schulhofsatzung erlassen.
Beschlussvorlage kommtKöln will dauerhaft alle Schulhöfe zum Spielen am Nachmittag öffnen

In Köln sind Schulhöfe bislang grundsätzlich nach dem Unterricht geschlossen, obwohl sie Raum zum Spielen in der Großstadt bieten könnten.
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Der Schul- und Sportdezernent Robert Voigtsberger hat angekündigt, „alle“ Schulhöfe in Köln nach Unterrichtsende zu öffnen – und zwar „dauerhaft“. Er will dem Rat noch vor den Sommerferien ein Konzept vorlegen und eine Änderung der Schulhofsatzung vorschlagen, „die garantieren soll, dass die Schulhöfe geöffnet werden“.
Vorausgegangen war ein Sachstandsbericht aus dem März, der ernüchternd ausgefallen war. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Stadtverwaltung schon seit Januar 2025 an der Umsetzung eines Auftrags vom Schulausschuss des Stadtrates arbeitet, mindestens einen Hof je Bezirk, insgesamt neun, möglichst schnell zu öffnen. Sichtbar passiert war bislang nichts: Anders als etwa in Bonn und Düsseldorf oder auch München sind die Kölner Schulhöfe nach Schulschluss bislang nicht zum Spielen geöffnet.

Das Bild zeigt Dezernent Robert Voigtsberger bei einem Interviewtermin. (Archivbild)
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Das soll sich ändern. Am Montag teilte Voigtsberger dem Schulausschuss mit: „Aktuell prüft die Verwaltung die Möglichkeit einer dauerhaften Öffnung aller Schulhöfe im Rahmen der Möglichkeiten der einzelnen Schulen.“ Einige unterrichten ganztags oder haben eine Ganztagsbetreuung, die teils den Schulhof nutzt. Voigtsberger teilte weiter mit: „Kölner Kindern und Jugendlichen soll über die dauerhafte Schulhoföffnung ein flächendeckendes, zusätzliches Aufenthalts-, Spiel- und Bewegungsangebot gemacht werden.“
Erklärtes Ziel der Verwaltung ist es nun, die Politik über das Ergebnis ihrer Prüfung, wie das möglich gemacht werden kann, vor der Sommerpause zu informieren und eine entsprechende Beschlussvorlage vorzubereiten. In einer Schulhofsatzung soll die Nutzung der Schulhöfe geregelt werden, zum Beispiel mit einer Alterseinschränkung. Schilder sollen die Schulhöfe zu Spielplätzen erklären und über Öffnungszeiten informieren.
Andere Städte öffnen Höfe ohne Mehrkosten
So machen es auch Nachbarstädte, wir berichteten. Eine Nachfrage in Düsseldorf und Bonn sowie Nordrhein-Westfalens drittgrößter Stadt Essen hatte ergeben: Dort stehen die Schulhöfe Kindern und Jugendlichen nach dem Unterricht zur Verfügung. Alle drei Städte sagten, Mehrkosten fielen nicht an.
Essen etwa hatte mitgeteilt, erst wenn es Probleme gibt, würden einzelne auf Wunsch geschlossen, der größte Teil der Schulhöfe sei aber offen. Eine Düsseldorfer Sprecherin hatte gesagt: „Die Stadt Düsseldorf in ihrer Funktion als Schulträger der städtischen Schulen hat seit den 1970er-Jahren gute Erfahrungen mit dem Betrieb von Schulhöfen als Spielhöfe.“
Dass andere Großstädte ihre Höfe teils problemlos zugänglich machen, teilte Voigtsberger am Montag auch dem Schulausschuss mit. Er sagte, die Stadt habe sich informiert, ob und wie andere Großstädte ihre Schulhöfe öffnen. Das habe ein heterogenes Bild ergeben. „Wir würden uns an Kommunen orientieren wollen, die schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben.“
Vor wenigen Wochen klang das noch schwammiger. Im März hatte die Verwaltung deutlich knapper mitgeteilt, sie prüfe aktuell die Möglichkeiten zur „Umsetzung technischer Lösungen, die eine dauerhafte Schulhoföffnung ermöglichen“.
Stadt hatte elektronische Schließung geprüft
Auf eine Anfrage der Redaktion, was genau sie in den 15 Monaten geprüft habe, antwortete die Stadtverwaltung nun ausführlicher: „Für die Prüfung der Möglichkeiten einer dauerhaften Öffnung der Schulhöfe wurde zunächst in den Schulen ermittelt, ob die Fortführung des Projekts ohne Reinigungsleistung und ohne Schließdienst durchführbar ist.“
Gemeint ist ein Pilotprojekt zwischen 2021 und 2024, bei dem neun Schulhöfe, in jedem Bezirk einer, zum Spielen und für Sport nach Schulschluss geöffnet waren. Tägliche Reinigungen und ein Schließdienst hatten zu Kosten von 500.000 Euro im Jahr geführt. Weil das in der problematischen Haushaltslage zu viel sei, beendete die Stadt das Projekt im Dezember 2024 nach drei Jahren.
Die Stadtverwaltung habe sowohl Einzelgespräche mit Schulen geführt als auch die Zusammenarbeit mit Sportvereinen in den Blick genommen. Sie haben für Sportangebote am Abend Schlüssel zu den städtischen Turnhallen, die oft über den Schulhof zu erreichen sind.
Es sei auch in Erwägung gezogen worden, eine elektronische Schließung an einer interessierten Schule einzubauen, die einen Zugang zu programmierten Öffnungszeiten ermöglichen sollte. „Die Kostenermittlung ist seit Kurzem abgeschlossen und das Ergebnis hat sich als unwirtschaftlich herausgestellt.“


