Der Kulturpolitiker Sven Lehmann wirbt bei Wolfram Weimer und Ina Brandes dafür, das Migrationsmuseum Selma doch in Köln-Kalk zu errichten – in vereinfachter Form.
Kölner Migrationsmuseum SelmaKommt die Rettung aus Berlin?

Entwurf des Atelier Brückner für das Kölner Migrationsmuseum Selma
Copyright: Atelier Brückner
Bislang konnte man den Eindruck gewinnen, die Debatte um die Zukunft des Migrationsmuseums Selma sei eine lokale Kölner Angelegenheit – trotz der nationalen Ausrichtung des Hauses und der schlichten Tatsache, dass der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen das Projekt mit jeweils 22 Millionen Euro fördern. Dabei verspricht der Trägerverein DOMiD nicht weniger, als „Deutschland neu erzählen“ zu wollen und einem Drittel der Bevölkerung erstmals einen eigenen Erinnerungsort zu geben.
Jetzt bringt der Kölner Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann (Grüne) die Debatte auch dorthin, wo sie neben Köln ebenfalls hingehört – nach Berlin und Düsseldorf. In seiner Funktion als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien schreibt er an Kulturstaatssekretär Wolfram Weimer (parteilos), NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) und an den Kölner Kulturdezernenten Stefan Charles und wendet sich in seinem Brief eindeutig dagegen, das Migrationsmuseum in das Kulturzentrum am Neumarkt zu integrieren. Sowohl die Stadt Köln als auch DOMiD favorisieren diese Lösung, nachdem sich herausstellte, dass die von Bund und Land zugesagte Förderung nicht ausreichen würde, um das Selma wie geplant in den Kalker Hallen zu errichten.
Ich möchte Sie dringend bitten, sich wie geplant für eine Realisierung von Selma am Standort Köln-Kalk einzusetzen, ggf. mit einem alternativen Konzept
„Wie Sie wissen“, schreibt Lehmann, „haben Bund und Land Fördergelder in Höhe von rund 44 Millionen Euro befristet bis zum 31.12.2026 zur Verfügung gestellt, um dieses landes- und bundesweit einzigartige und bedeutende Museum am Standort Köln-Kalk zu ermöglichen.“ Statt die ursprünglichen Pläne umzusetzen, werde nun allerdings darüber diskutiert, „das Museum auf einer deutlich kleineren Fläche in der Kölner Innenstadt unterzubringen“. Lehmann bezeichnet es als „herben Rückschlag“, sollte der Standort Kalk aufgegeben werden, und erinnert daran, dass das Selma ein „Leuchtturmprojekt“ für den industriell und migrantisch geprägten Stadtteil werden sollte. Auch das Museumskonzept wäre durch den Umzug betroffen, so Lehmann: „Selma braucht einen Raum und Ort, der seine Perspektive räumlich wie inhaltlich glaubwürdig trägt.“
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Nach Berechnungen von DOMiD bräuchte es einen Zuschuss von 33 Millionen Euro, um die vor allem durch Preissteigerungen in der Baubranche verursachten Mehrkosten auszugleichen. Weder Stadt noch Land noch Bund sind dazu bereit, was DOMiD in einer öffentlichen Stellungnahme nicht nur auf die „Finanzrealitäten“, sondern auch auf die „derzeitige politische Mehrheitslage“ in Deutschland zurückführt. Auf die von DOMiD aufgeworfene Frage, ob das Migrationsmuseum insbesondere in Berlin und Düsseldorf politisch nicht mehr gewollt ist, geht Lehmann in seinem Brief allerdings nicht ein. Stattdessen plädiert er dafür, Selma notfalls in einer vereinfachten Version in Kalk zu errichten. „Ich möchte Sie dringend bitten, sich wie geplant für eine Realisierung von Selma am Standort Köln-Kalk einzusetzen, ggf. mit einem alternativen Konzept.“
Mit diesem Vorschlag stellt sich Lehmann explizit gegen die Pläne von DOMiD und der Stadt Köln und wirbt dafür, einen gemeinsamen Weg zu finden, wie das Selma in Kalk „auch im Rahmen der von Bund und Land zugesagten Fördermittel realisiert werden kann, etwa durch eine modulare Lösung“. Eine „gute Grundlage“ dafür sieht Lehmann in den beim Architekturwettbewerb für das Migrationsmuseum unterlegenen Entwürfen. Sollte Lehmann mit seiner Initiative in Berlin und Düsseldorf erfolgreich sein, müsste der Wettbewerb unter großem Zeitdruck wohl noch einmal neu aufgenommen werden.
