Abo

Sängerin Vera Bolten bei „Talk mit K“Warum wird das Genre Musical in Deutschland von vielen belächelt?

3 min
Deutscher Musical Theater Preis 2025 - Auszeichnung für Vera Bolten für die Beste Regie

Deutscher Musical Theater Preis 2025 - Auszeichnung für Vera Bolten für die Beste Regie

Im Podcast „Talk mit K“ spricht Musicalsängerin Vera Bolten über ihre Karriere, ihre Beziehung zu Köln und ihr neues Projekt „Die weiße Rose“.

Vera Bolten ist eine der bekanntesten Musicaldarstellerinnen Deutschlands – und mit Köln besonders eng verbunden. Für das Musical „We Will Rock You“ zog sie in die Stadt, lernte dort ihren späteren Ehemann, den Sänger, Musiker und Komponisten Alex Melcher kennen und spielte die Hauptrolle der Scaramouche jahrelang vor ausverkauften Rängen im Musical Dome.

Im Podcast „Talk mit K“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ spricht sie mit Host Anne Burgmer über ihren Weg auf die Bühne, die Herausforderungen eines Berufs, der sich kaum planen lässt, und über ein ganz besonderes neues Projekt: das Musical „Die Weiße Rose“, das sie gemeinsam mit ihrem Mann geschrieben hat.

Bolten beschreibt den Musicalberuf mit Offenheit: als Hochleistungssport und Klassenfahrt zugleich, mit einer Kehrseite aus Unsicherheit, ständigem Vorsingen und dem Druck, Abend für Abend zu funktionieren – auch wenn man krank ist, erschöpft oder heiser.

Deutliche Worte findet sie auch zur Stellung des Musicals in der deutschen Kulturlandschaft. Während am Broadway oder im Londoner Westend das Genre als selbstverständlicher Teil des Kulturlebens gilt, werde es in Deutschland oft belächelt oder als Unterhaltungsware abgetan. Das, sagt Bolten, hänge historisch damit zusammen, dass die großen Musicalhäuser der 80er- und 90er-Jahre private Investoren hatten, die wirtschaftlich denken mussten. Die dabei entstandene Ästhetik präge das Bild bis heute. „Das ist, als würde ich sagen: Filme, das sind nur Hollywood-Blockbuster. Aber es gibt ja noch viel mehr.“ 

Erfolg im Musical „Himmel und Kölle“

Aktuell spielt Vera Bolten die Haushälterin Moni im Kölner Comedy-Musical „Himmel und Kölle“ an der Volksbühne am Rudolfplatz – eine Rolle, für die sie intensiv Kölsch gelernt hat, mit Unterstützung der Akademie für uns kölsche Sproch und der inzwischen verstorbenen Sprachwissenschaftlerin Alice Herrwegen. Die Zusammenarbeit war für Bolten eine persönliche wie sprachliche Reise: „Sie hat das sehr intensiv mit mir einstudiert und geprobt. Und ja, sie ist mittlerweile leider verstorben. Deshalb widme ich ihr diese Rolle ein bisschen.“

Darüber hinaus hat Vera Bolten gemeinsam mit ihrem Mann Alex Melcher ein Musical über die Widerstandsgruppe Weiße Rose geschrieben – ein Stoff, der auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein Musical scheint. Bolten hat monatelang Biografien, Briefe und Tagebucheinträge gelesen, eine präzise Zeitleiste der Ereignisse erarbeitet und dabei großen Wert darauf gelegt, nah an den historischen Fakten zu bleiben. Ihr war es wichtig, nicht nur Hans und Sophie Scholl, sondern auch die anderen Mitglieder der Gruppe – Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und Professor Kurt Huber – als Individuen sichtbar zu machen. „Es war mir wichtig, dass man den Charakteren folgen konnte, sie als Menschen erlebt, nicht als unantastbare Helden." Dass auch Nachfahren der Mitglieder das Stück gesehen haben und positiv reagierten, bedeutet ihr viel. Im Rahmen des Sommerfestivals wird „Die Weiße Rose“ in der Kölner Philharmonie zu sehen sein.