Das Phänomen hoher durchschnittlicher Krankheitstage wird aber offenbar in vielen Behörden festgestellt, bis hinauf zur Bundesverwaltung.
Leverkusener VerwaltungIm Amt sind Beschäftigte länger krank als im Bundesdurchschnitt

Bei Krankheit: vorsichtig sein und Rücksicht nehmen. Aushang an einer Wiesdorfer Arztpraxis.
Copyright: Ralf Krieger
Wer bis jetzt nicht krank ist, wird es vielleicht bald sein. Denn die Welle der Erkältungen und Grippe kommt so sicher wie Alaaf und Rakete auf der Sitzung: Am Aschermittwoch macht der Krankenstand einen Sprung – zumindest im Rheinland.
Übermäßig viele Krankheitstage nach dem Höhepunkt der Session hat Kanzler Friedrich Merz im Januar sicher nicht gemeint, als er bemängelte, dass die Deutschen über 14 Arbeitstage im Jahr krankgemeldet waren und auf der Arbeit fehlten.
Merz hatte gesagt: „Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“ Man müsse sich darüber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass die Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen, sagte der CDU-Chef.
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Das statistische Bundesamt nennt für 2014 einen durchschnittlichen Krankenstand von 14,8 Tagen bundesweit, 2023 gab es den Höchststand von 15,2 Tagen.
Aber sind die bundesweiten Zahlen wirklich hoch? Auf Anfrage bekamen wir neue Zahlen über die Krankheitstage in der Stadtverwaltung. Ergebnis: Die städtischen Angestellten (Beamte sind immer mitgemeint) waren deutlich länger krankgeschrieben als der Durchschnitt im Land.
Die Stadt weist darauf hin, dass die Krankentage „möglicherweise“ mit einer anderen Systematik erhoben würden und deshalb mit der Durchschnittszahl im Bund schwer vergleichbar seien. Tatsächlich sind kleinere Abweichungen bei den Berechnungen normal.
Ein paar Zahlen: Ende 2024 waren in Leverkusen 3768 Menschen in der Verwaltung angestellt. Die fehlten an 109.307 Tagen auf der Arbeit wegen Krankheit. Allerdings rechnet die Stadtverwaltung bei dieser Summe auch Samstage und Sonntage mit. Auf die Fünf-Tage-Woche bereinigt, sind das es aber immer noch 19,9 Fehltage je Angestellten; diese Zahl ist ungefähr mit den 14,5 Tagen vergleichbar, die der Kanzler als zu hoch mokierte. Rechnet man Kuren (2926 Tage) heraus, dann bleiben 19,4 Tage, die jeder städtische Bedienstete zu Hause geblieben ist.
Für 13.790 Krankentage legten Leverkusener städtische Mitarbeiter keine Atteste vor, das war jeder achte Fehltag, man spricht von Bagatellkrankheiten.
Leverkusen: Mit der Zahl der Mitarbeitenden wuchs die Zahl der Krankentage
Von 2024 auf 2025 wuchs die Mitarbeiterzahl in der Stadtverwaltung auf 3850 Personen. 2025 fielen etwas mehr Krankheitstage an. Im Durchschnitt war jeder und jede Beschäftigte 20,6 Tage krank.
Die Leverkusener Verwaltung gibt im Personalbericht für 2024 eine Krankheitsquote von 7,62 Prozent an. Das ist der Anteil der Arbeitszeit, während derer Beschäftigte krankgemeldet sind. Die Zahl deckt sich ungefähr mit den errechneten 19,4 Tagen. Aber Leverkusen ist keine Hochburg der Krankgeschriebenen, man befindet sich ungefähr im Durchschnitt aller Verwaltungen. Zum Vergleich: Kölner Verwaltungsmitarbeiter etwa kamen 2024 auf 9,28 Prozent Krankheitsquote, also etwas mehr als Leverkusen.
Kommunale Verwaltungen ziehen mit ihren hohen Zahlen den vom Kanzler monierten Bundesdurchschnitt aller Krankschreibungen also ganz ordentlich nach oben.
Hoher Krankenstand in Leverkusen: Woran liegt’s?
Der hohe Krankenstand ist ein Warnsignal. Die Ursache kann Überlastung, zu wenig Selbstwirksamkeit, aber auch ein schlechtes Arbeitsklima sein. Unfähige Vorgesetzte oder Organisationsmängel können den Krankenstand steigen lassen: Häufige Krankheit kann Ausdruck eines stillen Protests sein.
Wo in der Leverkusener Verwaltung der Hase im Pfeffer liegt? Im Personalbericht weist die Stadt auf eine hohe Zahl schwerbehinderter Angestellter hin und das Durchschnittsalter aller Beschäftigten lag 2024 bei 43,3 Jahren. Dass sich Verwaltungsmitarbeiter im öffentlichen Dienst sicherer fühlen können, also weniger Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes haben müssen als Mitarbeiter in der freien Wirtschaft, dürfte aber auch klar sein.
Die Stadt Leverkusen versucht, etwas gegen den hohen Krankenstand zu tun. Eine Sprecherin nennt das städtische Gesundheitsmanagement: In der Verwaltung gibt es Bewegungs- und Entspannungskurse sowie Seminare zu mentaler und psychischer Gesundheit, Schlaf, Stressprävention und -bewältigung und Workshops zum Thema Ernährung. Außerdem bemüht sich die Verwaltung, länger erkrankten Mitarbeitern die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen und sie dabei gut zu begleiten und zu unterstützen.
Nochmal zu Friedrich Merz: Ihm stünde es gut zu Gesicht, wenn er vor der eigenen Tür kehren würde, denn seine Bundesbehörden ziehen den deutschen Krankenstandsdurchschnitt noch ein wenig stärker hoch als etwa die Kölner oder Leverkusener Verwaltung: Den letzten veröffentlichten Zahlen nach (2022) hatten Bundesbedienstete ganze 21,6 Fehltage.

