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NeugründungSchule in Overath will alternative Pädagogik anbieten

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Zu sehen ist ein großes Gebäude hinter Bäumen auf einer Anhöhe.

Im Erdgeschoss dieses Gebäudes könnten schon diesen Sommer Kinder und Jugendliche zur Schule gehen.

Montessori Schule Bergisches Land – neue Schule will Schülern mehr Selbstbestimmung geben

Viele haben sie sicher schon bemerkt: Die rot- und orangefarbenen Flyer, die die neue Montessori Schule Bergisches Land bewerben. Hinter ihnen stecken Alexandra Metzner und Daniela Bussmann, die vorhaben, in Immekeppel eine Sekundarschule in freier Trägerschaft zu eröffnen. Seit etwa einem Jahr arbeiten sie an der Eröffnung und haben sich vergangenes Wochenende das erste Mal bei einem Infoabend an die Öffentlichkeit gewandt. Aber erstmal auf Anfang.

„Ich bin Agraringenieurin mit einem Biolegehennenbetrieb in Much“, erzählt Metzner, die gemeinsam mit ihrer Nachbarin und „Kauffrau im Bereich Personal und Buchhaltung“, Daniela Bussmann, das ambitionierte Projekt in Angriff genommen hat. Der Ansporn kam also nicht aus ihren Berufen. Vielmehr hat Metzner selbst Kinder und weiß durch den Kontakt mit anderen Eltern, dass sich viele eine Alternative zum herkömmlichen Schulsystem wünschen. „Und wie das so ist, man unterhält sich abends und ich habe zwar keine Kinder, aber Nichten und Neffen, an die ich gedacht habe“, meint Bussmann.

Das Kind im Fokus

Die Pädagogik, mit der sie arbeiten wollen, war schnell gefunden. Sie richtet sich nach Maria Montessori (1870-1952), einer italienischen Philosophin und Reformpädagogin, die das Kind in den Fokus stellt. „Das war uns von Anfang an wichtig“, meinen Metzner und Bussmann. Die Idee ist, dass das Kind selbst weiß, was gut für es ist und daher entscheiden darf, was und wie intensiv es lernt. Dabei sei es nicht mit einer Laissez-faire-Haltung zu verwechseln. Wie beim Infoabend klar wurde, gibt es feste Strukturen und Abläufe als Rahmen, die zudem sicherstellen, dass die Themen, die der Lehrplan des Landes vorgibt, auch behandelt werden. Dadurch ist gewährleistet, dass ein Kind wieder auf eine staatliche Schule wechseln kann. Innerhalb dieser Strukturen können die Kinder aber selbstbestimmt lernen. Das bedeutet, die Entscheidung, ob alleine oder mit Anleitung, das genaue Fach, die Materialien und auch der Platz, werden vom Kind bestimmt. Die Methode soll zudem das Selbstbewusstsein stärken.

Da die beiden keine Lehrerinnen sind, haben sie sich Unterstützung gesucht. Vivian Breucker war an der Gründung der „Offenen Schule Köln“ beteiligt, die eine ähnliche Pädagogik verfolgt, und leitet diese heute. Mittlerweile berät sie auch andere, die sich dasselbe vorgenommen haben. Inzwischen haben Metzner und Bussmann ein richtiges Team, das ihnen für Themen zur Seite steht, mit denen sie sich selbst nicht auskennen, etwa für juristische Angelegenheiten oder Grafikdesign.

Zu sehen sind zwei Frauen, die lächelnd nebeneinander stehen.

Alexandra Metzner und Daniela Bussmann gründen die Montessori Schule Bergisches Land in Overath-Immekeppel.

Aktuell befindet sich die Schule im Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung Köln. Mit der Behörde tauschen sich die beiden Frauen regelmäßig aus, doch wie lange der Prozess noch dauert, wissen sie noch nicht. „Wir reichen Behördensachen immer zeitnah nach, aber dann müssen wir uns gedulden“, meint Bussmann. Was den geplanten Schulstart im Sommer dieses Jahres betrifft, sind sie optimistisch gestimmt.

Ein Gebäude haben sie auch schon gefunden. Im Erdgeschoss des Unternehmens RLE International, einem Ingenieurdienstleister, in der Straße Brodhausen 1, sollen künftig Kinder und Jugendliche von Klasse 5 bis 10 lernen. „Die Lage hat uns von Anfang an überzeugt“, schwärmen sie. Auf einer Anhöhe idyllisch zwischen Wald und Wiesen gelegen, biete es viel Raum für kreative Ideen. Auch der Vermieter sei überzeugt und halte ihnen die Immobilie frei.

40 Kinder zum Schulstart

Wenn alles klappt, sollen zunächst 40 Kinder in das Schuljahr starten. Da sie noch keine Erfahrung mit dem Leiten und Verwalten einer Schule haben, möchten sich die beiden Gründerinnen auch nicht zu viel zumuten. Im Laufe der Zeit sollen dann Erweiterungen möglich sein. Die ersten beiden Infoabende haben sie bereits hinter sich und einen positiven Eindruck gewonnen. „Es haben sich schon einige Eltern gemeldet, die uns unterstützen möchten, was super schön zu sehen ist“, meint Bussmann. Und was die 40 Schulkinder betrifft, so sehe es aus, als ob sie das Ziel umgesetzt bekommen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda gebe es einen sehr guten Zulauf. Was jetzt ansteht ist die Suche nach Lehrern, das Spendensammeln für die Einrichtung der Schule und die Nutzungsänderung des Gebäudes mit der Stadt.

Finanziert werde die Schule zu 87 Prozent aus NRW-Landesmitteln und zu 13 Prozent aus der Schulgemeinschaft. Dabei soll viel aus Spenden oder vom Förderverein finanziert werden und aus Elternbeiträgen. Dies ergebe ein Solidaritätssystem, damit es allen Interessierten möglich sein soll, ihr Kind auf die Montessori Schule gehen zu lassen. „Wir möchten keine Eliteschule sein, da ist auch die wirtschaftliche Situation relevant“, erläutert Metzner. Wer viel geben kann, gibt mehr, und wer gar nichts geben kann, muss nichts geben. „Wir möchten Vielfalt in unserer Schule, das ist uns wichtig zu betonen. Jeder ist hier willkommen“, lautet ihr Motto.

Überraschung für Politik und Verwaltung

Überrascht über die Gründung der Schule waren die ein oder anderen Lokalpolitiker im Schul- und Sportausschuss. Aber auch die Verwaltung habe, wie Jens Volkmer, Amtsleiter für Jugend, Bildung und Sport, berichtete, länger nichts davon gewusst. Mittlerweile sind Metzner und Bussmann im Austausch mit der Stadt. „Wir wollten nicht mit einer ,fixen Idee' an die Öffentlichkeit gehen, bevor wir nicht wussten, ob es funktionieren kann. Man will keine Hoffnung machen, wenn es doch nichts wird“, erklärt Metzner. Da sie die Suche nach einem Schulgebäude nicht vom Standort Overath abhängig gemacht haben, habe es auch zunächst keinen Grund gegeben, die Verwaltung zu benachrichtigen.

Zwei weitere Infoabende finden am Freitag, 13. März, ab 18 Uhr und am Samstag, 14. März, ab 14 Uhr in der Straße Brodhausen 1 statt. Weitere Informationen gibt es auf der Website.

www.montessori-bergischesland.de