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Streit um Mietwagen-PreiseKölner Taxifahrer: „Gegen Uber kann man nicht gewinnen“

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Der Streit über Mindestpreise für Mietwagenfahrten in Köln könnte vor dem Verwaltungsgericht landen, wenn die Stadt am Donnerstag entsprechende Beschlüsse herbeiführt. (Symbolbild)

Der Streit über Mindestpreise für Mietwagenfahrten in Köln könnte vor dem Verwaltungsgericht landen, wenn die Stadt am Donnerstag entsprechende Beschlüsse herbeiführt. (Symbolbild)

Im Streit um die Einführung von Mindestfahrpreisen für Mietwagen in Köln schlägt die Geschäftsführung von Uber einen Runden Tisch nach Münchner Vorbild vor.

Der Mietwagen-Vermittler Uber hat wenig Hoffnung, dass die Stadt Köln noch vor der Sitzung des Stadtrats am Donnerstag von ihrer Haltung abrücken wird, für Mietwagen-Angebote ab Sommer einen Mindestfahrpreis einzuführen. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) ist fest entschlossen, das per Allgemeinverfügung zu regeln. Danach müssen Uber-Fahrten mindestens 80 Prozent des regulären Taxitarifs kosten.

Kölner OB will Uber-Fahrten in Köln an Taxi-Preise annähern

In der gleichen Ratssitzung soll über einen neuen Taxitarif abgestimmt werden, der deutlich höhere Preise und die Möglichkeit vorsieht, dass Taxifahrten bei Vorbestellungen mit Festpreis 20 Prozent unter dem Tarif liegen können. Uber geht davon aus, dass Mietwagen-Unternehmen gegen eine solche Entscheidung wie in anderen Städten auch vor das Verwaltungsgericht ziehen werden.

Köln hat schon jetzt den teuersten Tarif in Deutschland
Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber

„Es ist schon bemerkenswert, in der aktuellen Situation bei den Lebenshaltungskosten zu sagen, wir machen das Taxi teurer und durch Uber vermittelte auch gleich um 50 Prozent. Köln hätte dann den teuersten Tarif in Deutschland und den dritthöchsten in ganz Europa“, sagt Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber. „Wenn das geschieht, wird es nur Verlierer geben.“ Nicht umsonst sehen die Gastronomie und der Tourismusverband das äußerst kritisch.

„Wenn ich mit Taxizentralen in deutschen Großstädten spreche, bekomme ich in jeder Stadt immer die gleiche Antwort“, sagt Weigler. „Wir haben Fehler gemacht, unsere Preise sind viel zu hoch. Ein Taxi können sich heute nur noch Geschäftsreisende leisten. Und dann bleiben noch die Krankenfahrten. Mehr nicht. Kein Mensch, der zu einem Abendessen ins Restaurant geht, kann oder will sich danach 40 Euro für das Taxi nach Hause leisten.“

16.03.2026, Köln: Christoph Weigler ist der Geschäftsführer des Fahrdienstvermittlers Uber in Deutschland. Foto: Arton Krasniqi

Christoph Weigler, Deutschland-Chef  des Fahrdienstvermittlers Uber, schlägt für Köln an einen Runden Tisch vor, um die Streitfragen über Mindesttarife in der Taxi- und Mietwagenbranche zu klären. Foto: Arton Krasniqi

Mehr als 3000 Kölnerinnen und Kölner sind nach Angaben des Deutschland-Chefs dem Aufruf gefolgt und haben sich in E-Mails über den geplanten Mindestpreis für Mietwagen geäußert. Man könne die Reaktionen grob in vier Gruppen unterteilen. „Das sind zum einen ältere Menschen, die mit einer kleinen Rente auskommen müssen und trotzdem noch am sozialen Leben teilnehmen möchten. Die nutzen uns sporadisch, wenn es regnet oder sie die Bahn verpasst haben, um sicher nach Hause zu kommen.“ Die zweite Gruppe seien Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die dritte Gruppe Frauen, die sich abends im öffentlichen Nahverkehr nicht wohlfühlen und Menschen aus dem Umland, die spätabends mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen nach Hause kommen.

Uber-Geschäftsführung will über Probleme reden

Am Montag hat die Uber-Geschäftsführung mit verschiedenen Ratsfraktionen Gespräche geführt, welche Möglichkeiten für einen Kompromiss es noch gibt. Weigler hat vorgeschlagen, nach dem Vorbild von München einen runden Tisch zu organisieren, an dem die Stadt, das lokale Taxigewerbe, die Mietwagen-Unternehmen und die Vermittler wie Uber gemeinsam beraten, wie es weitergehen soll.

„Dort kann man über alles reden, wenn es Probleme gibt“, so Weigler weiter. In München habe man sich zum Ziel gesetzt, bis zum Sommer eine Lösung zu finden und gemeinsam an eine Selbstverpflichtung zu erarbeiten, an die sich alle halten müssen. „Wir halten das für sinnvoller als städtische Vorschriften zu erlassen, die mit hohen rechtlichen Risiken einhergehen. München zeigt, dass es besser ist, wenn alle miteinander reden, um Probleme gemeinsam zu lösen.“

Da es sich um vertrauliche Gespräche handelt, könne er Ergebnissen nicht vorgreifen. „Das könnte aber ein Vorbild für Köln sein.“ Immer teurer zu werden, sei nicht die richtige Antwort. Enorm wichtig aus Kundensicht sei die Preistransparenz. Wer heute einen Mietwagen oder ein Taxi nutze, wolle vor der Fahrt wissen, was sie kostet. Starre Mindestpreise seien weder für Mietwagen- noch für Taxiunternehmen von Vorteil.

„In Hamburg erprobt man gerade einen sehr flexiblen Preiskorridor, der sich nach Angebot und Nachfrage richtet. Dort will man wissen, ob durch niedrige Preise die Auslastung so stark steigt, dass damit höhere Umsätze erzielt werden können.“ Eine Regelung, wie Köln sie aktuell plane, gebe es in keiner deutschen Großstadt. „Das ist schade und passt so gar nicht zu einer Stadt, die als weltoffen empfunden wird.“

Uber fährt eine massive Kampagne gegen den Mindestpreis, weil dadurch ein fairer Wettbewerb entstehen könnte
Aleksandar Dragicevic, Vorstand des Taxi-Ruf Köln

Zweimal habe das Taxi-Gewerbe in Köln eine Erhöhung der Tarife schon abgelehnt, „aber jetzt werden wir dazu gezwungen“, sagt Aleksandar Dragicevic, Vorstand des Taxi-Ruf. „Uber fährt eine massive Kampagne gegen den Mindestpreis, weil dadurch ein fairer Wettbewerb entstehen könnte. Es gibt inzwischen Gutachten in mehreren Städten, die zu einem eindeutigen Ergebnis kommen. Uber arbeitet immer noch mit Verlusten, die aber die Mietwagenbetriebe verkraften müssen und greift nur die Vermittlungsprovision ab. Die Fahrer sind verpflichtet, nur über die Uber-App Aufträge anzunehmen, sonst schaltet man sie offline. Für mich ist das eine Scheinselbstständigkeit.“

Corona
Köln Deutschland
03.04.2020
Vorstand Taxiruf Köln Aleksandar Dragicevic
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Eduard Bopp Sportfotografie
mail@fotobopp.de

Aleksandar Dragicevic, Vorstand des Taxi-Ruf Köln Foto: Eduard Bopp

In der Branche frage man sich schon lange, wie ein Uber-Unternehmer bei einer Umlaufgeschwindigkeit von 21 Stundenkilometern 13,90 Euro Mindestlohn bezahlen und zusätzlich an Uber hohe Vermittlungsprovisionen abführen könne. „Es gibt genügend Uber-Fahrer, die für die Einführung eines Mindestpreises sind.“

Einen Preiskampf mit Uber wird der Taxi-Ruf Köln niemals gewinnen
Alexander Tritschow, Geschäftsführer von Taxi 17

Aus Sicht von Alexander Tritschkow, Geschäftsführer von Taxi 17, werden die Mietwagenpartner von Uber „entweder subventioniert oder arbeiten außerhalb jeglicher Legalität“. Er habe sich mit Taxi 17 spezialisiert, um diesem Preiskampf aus dem Weg zu gehen.

Alexander Tritschkow Geschäftsführer Taxi 17 Köln

Alexander Tritschkow Geschäftsführer von Taxi 17 in Köln Foto: Peter Berger

„Mit 60 Prozent unserer Stammkunden arbeiten wir auf Rechnungsbasis, weitere 30 Prozent sind Patientenfahrten“, sagt Tritschkow. „Der Rest sind Firmen, die eine aufwendigere Vermittlung brauchen, zum Beispiel Filmgesellschaften, für die wir Schauspieler abholen. Wir bedienen eine Nische und bieten besondere Dienstleistungen an. Wir können nicht 20 Prozent unter Tarif fahren, selbst wenn das demnächst möglich ist.“ Der Taxi-Ruf vermittle an die angeschlossenen Unternehmen bestenfalls zwei Aufträge pro Tag. „Das war noch nie viel besser, auch als ich dort noch gearbeitet habe.“

Da sei das Geschäft aber noch deutlich anders gewesen. „Es gab einfach viele Einsteiger. Am Hauptbahnhof, an der Messe. Das gibt es heute alles nicht mehr. Die Messe-Besucher fahren mit Uber und die anderen Einsteiger können sich kein Taxi mehr leisten“, so Tritschkow. „Damit ist für mich eins auch klar. Einen Preiskampf mit Uber wird der Taxi-Ruf Köln niemals gewinnen. Auch nicht mit einem Mindestfahrpreis. Ich möchte nicht wissen, wie viele Taxifahrer heute schon bei der Stadt als Aufstocker gemeldet sind, weil der Verdienst nicht zum Leben reicht.“