Vor Gericht beteuert der Angeklagte, die räuberische Erpressung mit vorgehaltener Waffe nicht selbst verübt zu haben.
„Geld, Gold, Tresor“52-Jähriger soll Seniorin in Rösrath mit Pistole bedroht haben

Mit einer Pistole soll der Angeklagte die Frau bedroht haben. (Symbolbild)
Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Als es klingelt, denkt die damals 76-Jährige, ihre jüngere Tochter und die Enkelkinder seien da. Als sie aber die Haustür einen Spalt breit öffnet, sieht sie nur einen maskierten Mann, der ihr umgehend durch den Spalt hindurch eine Pistole gegen die Stirn hält und sie so in den dahinter liegenden Flur zurückdrängt.
„Geld, Gold, Tresor“, lautete schließlich die Ansage des Räubers. Doch die Seniorin konnte zunächst nicht an einen Raub glauben, hielt die Aktion für einen Scherz, was sie dem Maskierten auch sagte. Doch der antwortet nur: „Nee, ich mache einen Überfall.“
Räuber soll Seniorin mit einer Pistole bedroht haben
Seit Freitag steht nun ein 52-Jähriger aus Lohmar wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung, besonders schwerem Raub und erpresserischen Menschenraubs vor der 27. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht. Am späteren Nachmittag des 14. Juli 2025 soll der Mann, der vor rund 20 Jahren mal mit der ältesten Tochter der 77-Jährigen liiert war, maskiert und mit einer Pistole bewaffnet die Geschädigte überfallen haben. Dabei habe er der Frau eine „schwarze Pistole vor die Stirn“ gehalten.
Anschließend habe er „die geschockte und verängstigte Geschädigte“, mit den Worten: „Geld, Gold, Tresor“, aufgefordert, ihm Bargeld zu übergeben. Die 77-Jährige behauptete aber, über keinen Tresor zu verfügen und habe stattdessen ein Portemonnaie aus einer Kommode genommen und dem Täter rund 180 Euro übergeben. Aus einer Schmuckkassette habe er unter anderem noch zwei Halsketten, drei Kettenanhänger und vier Broschen genommen, ehe er geflohen sei.
Angeklagter behauptet, nur Mittäter gewesen zu sein
„Während der Tat hielt er der Geschädigten die Pistole ununterbrochen vor, um sie durch Einschüchterung von jeglicher Gegenwehr oder Flucht abzuhalten und die Gegenstände an sich nehmen zu können“, sagte die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung.
Den Tatvorwürfen trat der Angeklagte mit einer bemerkenswerten Erklärung entgegen: Demnach sei die Tat zwar weitgehend auf seinem Mist gewachsen, er selbst sei aber nicht der Täter gewesen, den er aber namentlich benannte. Eigentlich, so der Angeklagte, sei sein Plan gewesen, in das Haus einzubrechen. Von seiner Beziehung mit der ältesten Tochter der Geschädigten habe er noch gewusst, dass die Familie über wertvolle Uhren, wertvolle Ikonen sowie einen Safe verfügte. Da er aber keine Erfahrung mit Einbrüchen habe, habe er die Nummer nicht alleine durchziehen wollen, sondern sich im kriminellen Milieu — in dem er sich als Betrüger seit einiger Zeit bewegte, wie er berichtete — einen Mittäter gesucht.
Von der Waffe will der 52-Jährige vorab nichts gewusst haben
Am Tattag habe man eigentlich nur ausbaldowern wollen, wie man am einfachsten in das Haus käme. Hierzu habe sich der Mittäter auf das Grundstück begeben und sich umgesehen, während er in einem weißen 3er BMW auf der Straße gewartet habe. „Plötzlich kam der zurück und rief nur: Fahr, fahr, fahr!“, sagte der Angeklagte, der Vater eines zwölfjährigen Sohnes ist. Als der Komplize ihm gesagt habe, dass er im Haus gewesen sei, habe er es nicht glauben können. Auch habe er da erst die Waffe gesehen, die der Komplize mit sich geführt habe. Bei der Fahrt an einem Wäldchen vorbei habe er seinen Mittäter aufgefordert, die Waffe wegzuwerfen, was dieser auch getan habe. „Ich konnte das alles nicht glauben“, sagte der 52-Jährige, der auch bereute, sich mit dem Mittäter auf die Sache eingelassen zu haben.
Motiv für den geplanten Einbruch seien Schulden von rund 100.000 Euro sowie eine bevorstehende Wohnungsräumung gewesen, die er für sich und seine Familie habe verhindern wollen. Der Prozess wird nun fortgesetzt.

